Tatsachen

Liebe Ioreth,
die letzten Tage waren mehr als aufregend! Der Fürst hat sorgsam um mich geworben. Jedes Geschenk, jede seiner Zeilen waren durchdacht und so liebevoll überbracht. Damit meine ich nun nichtden Kämmerer des Fürsten, den ich in letzter Zeit recht häufig sah. Ich kann Dir nicht sagen, welcher Tätigkeit der Mann nachging, bevor er Kämmerer wurde. Aber ich bin sehr sicher, dass es nicht das Überbringen von Botschaften solcher Natur war.

Ich habe es gewagt Ioreth, und Alejandro Aufgaben gestellt. Es waren drei, von denen ich mir erhoffte, dass die Antworten mir etwas über den Mann verraten, dem ich dem Worten meines Vaters nach gehören werde. Natürlich war der Fürst wie immer sehr bedacht und er hat nicht lange bebraucht, mir die Antworten zu geben.

Ich bat um ein Wort das mich beschreibt. Er nannte das Wort „sprachlos“. Er erklärte mir, dass mein Charakter und meine Tugend ihm die Sprache raubten und konnte nichts schöneres sagen: Ich habe bisher nicht erlebt, dass auch nur irgendwas diesen Mann sprachlos machen könnte und nun sagt er mir, dass ausgerechnet ich das sei. Es ist schön, anzunehmen dürfen, dass man um seiner selbst Willen anerkannt wird, Ioreth.

Eine weitere Aufgabe war, mir eine Blume zu bringen. Er wählte eine Lilie. Oh, ich weiß, was Du gerade denkst Ioreth. Aber nein, es ist nicht die übliche weiße Lilie und das Gerede von Tugend, das Alejandro mir bat. Er entschied sich für eine Gladiole, eine Schwertlilie und ich glaube es war eine Andeutung bezüglich meines Wunsches den Umgang mit dem Schwert zu erlernen. Mit einem Augenzwinkern seinerseits, wenn Du so willst.

Zuletzt bat ich um den Beweis seines Hauses und nun trage ich um meinen Hals eine silberne Kette mit einem außergewöhnlichen Anhänger daran. Es ist eine Art kleine Kugel, eine Art Netz oder Korb aus Stein, die Freiräume sind mit Glas versehen. Darin befindet sich ein roter Stein, der vielleicht ein Herz darstellt. Es ist ein wunderbares Geschenk, legt mir doch Alejandro bildlich seine Stadt in die Hände und sein Herz dazu.

Ich habe zugestimmt, Ioreth. Ich habe dem Werben Alejandros die Antwort gegeben und werde seine Frau! Ich weiß, das war im Grunde auch schon vor vielen Jahren klar. Aber der Fürst hat mir das Gefühl gegeben, diese Entscheidung auch um meinetwillen treffen zu können und ich traf sie liebe Freundin, ich traf sie.
Alejandro wird meinem Vater schreiben, ich bin sicher Vater wird viel von Pflicht und Ehre sprechen und dann seinen Kämmerer anweisen, alles Geschäftliche zu regeln. In solchen Momenten wünschte ich, mit Mutter sprechen zu können, wenigstens in ihren Augen war ich nicht die Tochter, die ein Sohn hätte sein sollen.

Aber nun sehe ich einer Zukunft entgegen, Ioreth, und umarme die herzlichst
Ellena

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