Bitterer Nachgeschmack

Liebe Ioreth,
ich sehne mich danach, ein erfülltes Leben zu führen und eine Weile glaubte ich, als Frau des Fürsten könnte mir das gewährt sein. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob das nicht mehr als eine naive Idee von mir war.

Ich weiß nicht mehr, wohin ich mich wenden soll, Ioreth. Der Fürst behandelt mich, wie er man es von ihm erwartet. Vor nicht langer Zeit war es ein wenig mehr – eine Freundlichkeit und ein Verständnis, dass mich ertragen ließ, dass sein Herz einer anderen Frau gehört.
Nun ist er… ich weiß nicht, er ist irgendwie verändert. Noch immer behandelt er mich mit aller Höflichkeit. Er gewährt mir nicht weniger, aber auch nicht mehr Aufmerksamkeit, als unbedingt notwendig.

Mein Alltag wird ebenfalls davon bestimmt und ich spüre es umso schmerzlicher, da mir bewusst wird, dass jede Freiheit die ich hatte oder habe ein Geschenk ist, das gegeben, aber auch wieder genommen werden kann.
Ich reise viel, seit ich im Breeland bin. Oft auch alleine. Es erlaubt mir, Abstand zu gewinnen und mich selbst zu finden. Das ist nun vorbei, Ioreth. Der Fürst hat das unterbunden und mich ermahnt, zu jeder Zeit eine Wache bei mir zu haben. Es gibt nicht mal mehr in meinem Zimmer die Abgeschiedenheit. Der Fürst sagt, dass er sich um meine Sicherheit sorgt und er meint es wohl auch.
Und dennoch, sein Umgang mit mir scheint ihm zur Pflicht geworden. Ich stehe einem Herrn gegenüber, der keinesfalls zulassen wird, dass seine Wünsche nicht befolgt werden. Ich frage mich, wo Alejandro ist… vor mir steht fast ein Fremder, Ioreth.

Auch in anderer Hinsicht, bleibt mir ein bitterer Nachgeschmack. Ich war so naiv, Ioreth! Wie konnte ich mich nur einen Augenblick dem Gedanken hingeben, einen Mann zu treffen, der in mir auch nur Ellena sehen kann… ich dachte ich hätte einen solchen gefunden. Die Waffenübungen und die Gänge zum See haben wohl meine Wahrnehmung getrübt. Er war wohl freundlich zur Verlobten seines Herrn und ich hatte etwas falsches verstanden oder erhofft. Ich weiß es nicht… und ich werde kaum fragen können.

Ich habe mit Lynne gesprochen, sie ist mein eniziger Lichtblick. Wenigstens ihr kann ich meine Gedanken noch mitteilen. Ich denke, auch sie muss stetig zwischen Pflicht und den eigenen Wünschen entscheiden. Sie scheint das aber ganz gut zu schaffen, ich wünsche ihr vom Herzen, dass sie ihr Glück findet, Ioreth…

Ich denke oft an unsere Jugendtage und wünsche mir diese Unbeschwertheit zurück. Ich vermisse den Sommer.
Ellena

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