Der Blick hinter den Nebel

Liebe Ioreth,
ich habe mir fest vorgenommen, Dir dieses Mal etwas anderes zu schreiben. Die Gelegenheit war da und ich war am Ende dankbar, die Reise antreten zu können.

Die Ereignisse unmittelbar vor Beginn meiner Reise waren mehr als turbulent, ich habe Dir davon geschrieben. Langsam fügt sich alles wieder. Ich glaube der Fürst hat mit jedem Einzelnen lange Gespräche geführt und es scheint, dass sich nach und nach die Mitglieder es Hauses daran erinnern, was es bedeutet, sich einem Haus wie diesem anzuschließen. Wir leisten Eide, um daran zu glauben und sie zu halten und der Eid eines Lehnsmanns bindet in zweifacher Sicht: sowohl den Fürsten als auch seine Leute. Einige scheinen das verstanden zu haben, andere hegen nach wie vor Misstrauen. Mir bleibt nur, Alejandro so gut wie möglich zu unterstützen und ich bete, dass die Mitglieder des Hauses verstehen werden, was er zu erreichen sucht.
Manchmal sehe ich Alejandro an und glaube, auch er wünscht sich in die Heimat, die im Breeland steht und fällt nach wie vor mit der Standhaftigkeit jedes Einzelnen.

Ich wollte Dir nicht davon schreiben und schweife doch wieder ab, du wirst es mir nachsehen. Wie ich dich kenne, liest Du die bedrückenden Teile des Briefes ohnehin laut irgendeiner Wache vor, die vermutlich im Dienst ist und bei der du versuchen wirst ihn völlig aus der Fassung zu bringen. Ich kann es mir lebhaft vorstellen: ernsthafte Dinge über Eide und dergleichen dem armen Mann halb vorgesungen. Ich habe schon jetzt Mitleid mit ihm.

Ich habe übrigens eine weitere Wache, Hauptmann Aldorn wird nicht begeistert sein, dass ich sie ohne sein Wissen unter Sold nahm, aber er hat schlicht zu wenig Männer. Damares Meroun ist eigentlich Hauptmann einer Gruppe Söldner, übrigens jener die mich nach Bruchtal begleiteten. Glaube mir, bei ihr würdest Du kläglich scheitern. Ich glaube nicht, dass sich diese Frau durch irgendwas von ihrer Arbeit ablenken lassen würde!
Ich habe sie und ihre Leute erlebt. Wir waren lange unterwegs und Dank der Söldner war Regen das Einzige, was man noch als Hindernis hätte durchgehen lassen können. Ich reiste auf Einladung eines Elben, der… der mir Fragen stellte deren Antworten er vermutlich schon längst kannte. Ich solle standhaft bleiben sagte er, ebenso wie Alejandro. Ich werde mir die Protokolle der Schriftführerin sicher noch mehrfach durchlesen müssen um auch nur halb zu verstehen, was an jenem Tag gesprochen wurde.

Herr Galcyll Stillwind kann tief in die Seelen der Menschen blicken wie es scheint. Er hatte für fast jedes Mitglied meiner Gruppe eine Frage oder Bemerkung und immer schien es, als träfe er mit seinen Worten ins Innerste der Menschen. Die Elben, Ioreth, zumindest die in Bruchtal, sind ein Volk voller Rätsel. Ich habe versucht in seine Augen zu sehen und es war, als seähe man in einen Spiegel oder einen dunklen See. Man sieht sich darin und dennoch ahnt man ein wenig mehr…

Und doch, es gibt auch Erfreuliches zu berichten. Nimm doch diesen Teil und lies ihn der Wache vor, die heute Dein Opfer sein wird.
Das Haus Minas Faer hat Barden. Wie habe ich die Musik vermisst! Meister Angarald und Kaenan schaffen es, einen Raum zu verwandeln, allein durch ihre Geschichten und ihre Musik… Meister Mandobald ist.. du müsstet es sehen. Ein hungriger Barde und ein Hobbit. Ich glaube entweder schlägt er die Saiten seiner Laute oder er sucht Alejandros Kämmerer, den er gerne Speisekämmerer nennt, und hofft auf eine Mahlzeit, die der Kämmerer ihm natürlich beschaffen soll. Alrich knurrt dann immer, also eigentlich knurrt Alrich immer, aber dies scheint ihn irgendwie besonders zu ärgern. Du würdest Dich sicher bestens mit Mandobald verstehen, Ioreth!

Ich beende besser diesen Brief, sonst liest Du noch im Morgengrauen, liebste Freundin.
Fühl dich umarmt
Ellena

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