Dem Sommer entgegen

Liebe Ioreth,
ich muss mich für meinen letzten Brief entschuldigen. Ich stand neben mir und war wohl damit überfordert, gleichzeitig Baroness und Ellena zu sein. Es wird in Zunkunft nicht mehr nötig sein, Baroness zu sein.

Ich hatte Dir geschrieben, dass mir Alejandro eine Tür geöffnet hat. Und endlich habe ich den Mut gefunden, hindurchzugehen. Oder eigentlich hat Atherton ihn gefunden, immerhin wird sich sein Leben drastisch ändern. Aber wie immer beginne ich mit dem Ende, sie es mir nach liebe Freundin, ich will versuchen, Dir alles zu erklären.

Ich werde also heiraten, aber nicht Alejandro Salas. Ich hätte nicht gedacht, dass dies wahrhaftig möglich ist: aber ich durfte wählen, selber entscheiden, wem ich mein Herz gebe. Ich entschied mich für den Bruder – für Atherton, der es versteht, mich den Sommer spüren zu lassen. Wenn ich ihn sehe, Ioreth, vergesse ich alle Sorgen. Er erinnert mich daran, wie schön ein Lachen im Wind klingen kann!

Diese Entscheidung bringt eine Reihe von Veränderungen mit sich. Alejandro (der dann genaugenommen mein Lehnsher wäre, wehe du lachst jetzt, ich weiß selber, dass das ganz sicher nicht das ist, was Vater erwartet) wird seinen Bruder und damit auch mich in den Stand eines Grafen erheben. Ich werde dem Haus Minas Faer angehören, der Fürst hat eine Frau, er braucht aber ebenso eine Repräsentantin für sein Haus.

Seneschall, das würde meine Aufgabe wohl am ehesten umschreiben. Und der Fürst braucht den mehr denn je, scheint mir. Alejandro hat zuviele Sorgen, nicht zuletzt, da er nach Gondor befohlen wurde. Ebenso wie mein Vater übrigens. Wir hören hier Gerüchte von Krieg, ich hoffe es sind wirklich nur Gerüchte, Ioreth. Kürzlich kam ein Reisender in unser Haus. Er war in der weißen Stadt und er war es auch, der das Banner des Barons von Linhir davor sah.

Bei aller Sorge, die diese Nachrichten mit sich bringen, bieten sie mir dennoch eine Möglichkeit: Ich werde in die Heimat reisen können, ich werde Dich endlich sehen können! Vater wird seine Aufmerksamkeit kaum auf mich richten können und so werde ich diesem Brief nachreisen.
Zu meinen Bedauern ohne Mynerya. Du würdest si mögen. Sie ist meine Zofe, aber mehr und mehr habe ich den Eindruck, eine Freundin in ihr zu haben. Sie sagt nicht viel, ist aber immer in der Nähe und ist mir so eine große Hilfe.

Auch Zarroc Angor werde ich Dir nicht vorstellen können. Ich hatte mit meiner Wache anfangs einige Schwierigkeiten gehabt. Aber letztlich versucht der Mann nur, mich bestmöglichst zu schützen. Glaube mir, er versteht sich gut darauf und er würde garantiert nicht auf Deine Finten hereinfallen, liebe Ioreth. Ich wage zu behaupten, dass er wesentlich findiger ist, als es die Wachen des Barons je waren.

Stattdessen begleitet mich Leutnant Aldorn. Es dürfte eine recht lange Reise werden mit ihm. Der Mann ist pflichbewusst durch und durch. Ich glaube ich habe ihn bisher stets in tadelloser Haltung gesehen. Sieht man davon ab, dass er ständig knurrt oder mit den Augen rollt. Der Leutnant sagt, er will sich ein Bild von der Lage in Gondor machen. Seine Worte waren allerdings etwas direkter: „Dann wollen wir mal sehen, ob wir alle in den Tod gehen, weil ein Wahnsinniger den Thron der Könige hütet“. Der Mann ist Breeländer, ganz unverkennbar.

Ich freue mich Dich endlich wiederzusehen,
Ellena

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