Offene Türen

Liebe Ioreth,
ich habe nicht viel Zeit, Dir zu schreiben. Auf meiner Tür sitzt ein Gardist – ja du liest richtig. Gestern war ein ereignisreicherTag, an deren Ende eben jene Tür stand. Aber ich sollte vielleicht von vorne anfangen.

Atherton Salas ist nach wie vor in meinem Haus und Alejandro Salas weiß inzwischen, was sein Bruder für mich tat. Er bat mich, also Alejandro bat mich um ein Gespräch und öffnete mir dabei eine Tür, von der ich nicht erwartet hätte, dass es sie gibt, Ioreth!

Erinnerst Du Dich noch an den Tag, als Vater mir eröffnete, wen ich wann zu heiraten hatte? Ich habe ihn verflucht, versteckte mich und wurde doch von Vaters Wachen gefunden. Ich hatte in den darauf folgenden Wochen viel Zeit über meinen künftigen Ehemann nachzudenken und wusste, dass es keine Wahl geben würde. Der Baron von Linhir hatte seine Entscheidung getroffen.

Bis vor wenigen Stunden dachte ich, mein Schicksal wäre seit jenem Tag vorgeschrieben, unausweichlich und mit jeder Konsequenz. Ich hatte mich darin arrangiert. Der Fürst von Minas Faer, war weitaus besser als alles, was ich mir tränenreich in den Wochen die mein Vater für meine Erziehung für so unabdingbar hielt, ausgemalt hatte. Alejandro versteht mich, versteht die Sprache, die man mir so mühevoll beibracht. Und doch ist es ein Arrangement. Eines das mein Vater vor langer Zeit für sein Haus plante.

Und heute? Ich habe wieder Zeit über einen Ehemann nachzudenken. Diesmal ist es aber eine Wahl und eine Entscheidung, die ich treffen darf. Kein Haus, nichtmal das meines Vaters, müsste darunter leiden. Oh, Ioreth! Ich stehe vor einer offenen Tür: Alejandro fragte mich,ob ich Atherton liebe. Er sprach davon seinen Bruder anzuerkennen und dem Baron zu schreiben. Sollte ich am Ende den Sommer kennen lernen?

Gleichzeitig wünscht der Fürst von Minas Faer, dass ich meine Aufgaben im Haus wahrnehme. Es kam mir zu, seine Audienzen zu halten. Es scheint, als sähe er mehr als die verständige, im Hintergund stehende Baroness in mir.
Es war ein langer Abend und es war seltsam, seinen Leuten Befehle zu geben. Vor allem Lynne… ich hoffe, sie nimmt mir das nicht übel. Ich hege keinen Groll gegen sie, auch wenn sie das wohl noch immer nicht so recht glaubt. Aber gestern brauchte ich den Leutnant der Garde an meiner Seite.

Eben jener Leutnant wies mir eine Wache zu. Der Mann heißt Zarroc Angor und ist… sehr rustikal, das trifft es wohl am besten. Ich konnte ihn mit einiger Mühe davon abhalten, die Klingen zu entwaffnen, die das Haus bewachen. Offenbar nimmt er einen Befehl, hat er ihn einmal verstanden, sehr genau. Und so wich er nicht mehr von meiner Seite. Er hält die Fenster meines Hauses für eine Gefahr, es könnte jemand hinein gelangen (ich sage ihm besser nicht, das man durch ein Fenster auch hinaus gelangen kann). Also hob er die Tür meines Zimmers aus den Angeln!

Seither sitzt er darauf und blickt, ständig irgendeine Masse kauend, starr auf mich. Ich glaube nicht, dass der Mann lesen kann, aber es ist schon befremdlich: Alejandro öffnet mir eine unerwartete Tür und ich habe keine mehr, während ich Dir schreibe…

Ich umarme Dich liebe Freundin
und schreibe Dir wieder, wenn ich eine Möglichkeit gefunden habe, Türen hinter mir zu schließen.
Ellena

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