Auf den Platz gewiesen

Die Schreiberin hat ihren Brief mit einer neuen Seite fortgesetzt. Diesmal wirkt die Schrift eher, als hätte die Schreiberin die nötige Geduld gehabt.

Ich bin dem Rat eines Zwerges gefolgt, Ioreth und habe geschlafen. Es war bitter nötig und am Ende des gestrigen Tages, sah ich kaum noch einen Ausweg, aus all den Problemen, die sich neben der Suche nach Alejandro noch auftaten.

Ich hatte alle, deren ich habhaft werden konnte, gebeten den wenigen Spuren zu folgen, die wir hatte, Angmar – der Dolch ließ darauf schließen. Ich musste Männer und Schwerthände in diese Gegend befehlen, wohl wissend, dass dieses Land seine Gefahren birgt. Schwer genug war es, in mehrfacher Hinsicht, denn wie das in Momenten wie diesen zu sein scheint, war dies nicht unser einziges Problem.

Am Abend wurde Kashin Deadeloth gebracht. Schwer verletzt durch Pfeil und Dolch. Es kostete mich Mühe, halbwegs die Ruhe zu bewahren, als ich erfuhr, das ausgerechnet Rodgar Wogenwolf, die Schwerthand des Fürsten, meine Schwerthand derzeit!, das zu verantworten hatte. Zu unserem Glück war Constcancia Feuerwunder da, sodass seine Wunden besser versorgt werden könnten, als ich es je vermocht hätte.

Ich stand vor einem Rätsel, dessen Auflösung mir nicht erspart blieb. Ich schreibe erspart, Ioreth, obwohl es natürlich gut wäre, solch einen Wahnsinn schnell geklärt zu wissen. Allein, die Umstände waren überaus… ungewöhnlich.

Eine Elbe, die Schwester eines Mitglieds des Hauses namens Liniath, kam. Das Messer an der Kehle Kashins. Sie wollte mit mir allein sprechen und ihr war jedes Mittel recht. Ich weiß nicht, welcher Wahn ihrer Herr wurde, vielleicht der Schmerz über den Tod ihrer Schwester. Ich musste mir ein Messer an die Kehle setzen, um ihr verständlich zu machen, dass die Wachen nicht ohne Sinn und Verstand den Raum verlassen, wenn ein Mitglied des Haues in Gefahr und der Seneschall ohne Waffen im Raum mit ihr steht. Die Zeiten sind seltsam Ioreth, und sie verlangen offenbar mitunter seltsames Handeln.

Dennoch stellte die Elbe des Rätsels Lösung dar. Rodgar wollte sie schützen, wollte sie in seine Obhut nehmen. Kashin und der Marschall hingegen sahen eine Gefahr in ihr. Ich mochte es leicht glauben, als ich die Elbin mit den Dolch an Kashins Hals vor mir sah. Wenn ich allerdings eines gelernt hab, dann ist es, nicht vorschnell zu urteilen. Ich wusste weder was geschehen war, noch wie es überhaupt zwischen einen Streit zwischen den dreien kommen konnte – ein denkbar ungünstiger Streit, zu denkbar ungünstigen Zeiten.
Ich beginne mich zu fragen, ob jeder diesen Eid sprach, weil es eben üblich ist. Ioreth, wo ich herkomme bindet ein Eid, er wird nicht leichtfertig gesprochen und nicht gebrochen. Sonst wäre unsere Worte so sinnlos, unsere Taten nicht mehr als blindes Handeln…

Was immer die Umstände waren. Kashin ist verletzt, Rodgar hat es verursacht. Auch wenn mir die Elbe versichert, sie habe das veranlasst. Er wurde zu mir gebracht und sagte mir sofort, er sei bereit jede Strafe zu tragen, wenn es denn in in meinem Sinne wäre, dass er seine Ideale einen Eid unterordnen würde. Seine Ideale. Das klingt sehr leicht: ein Wesen wirkt unschuldig, er handelt. Kashin lebt, das stimmt, aber das Haus wurde an jenem Tag sehr geschwächt. Und eine Schwerthand bestrafen. ein Mann dessen Fähigkeit benötigt wird, um den Fürsten zu finden?

Ich habe jetzt verstanden, warum Alejandro manchmal zu seltsam anmutenen Mitteln greift. Um diesen Mann zu zeigen, dass ich seine Intention verstehe, seine Ideale nicht verraten will und gleichzeitig zu zeigen, dass er das Haus geschwächt hat, seinen Eid verraten, unterwarf ich ihn einer Strafe, die ihm alle Beweglichkeit lässt, ihn aber hoffentlich darüber nachdenken lässt, was es bedeutet, einer Gemeinschaft anzugehören – mit allen Übeln und allen Vorteilen. Es wird sich zeigen, ob es richtig war, ein Joch auf mich zu nehmen, dessen Schlüsssel allein Wogenwolf hat. Es gilt Ideale und Eid zu verbinden.

Der Brief wurde wieder unterbrochen und später weitergeschrieben

Liebe Ioreth,
noch immer hatte ich keine Gelegenheit, diesen Brief abzuschicken. Aber ich denke, ich werde nun wieder die Ruhe dazu finden. In Anbetracht der Lage werde ich in Zukunft meine Spaziergänge wohl einschränken und ebenso darauf verzichten, weite Reisen zu Pferde zu unternehmen. Ich nehme an, der Hauptmann wird sehr dankbar sein, seine Gardisten werden keine Schwierigkeiten haben, michzu beschützen.

Alejandro ist zurück, wohlbehalten. Letztlich wurde er gefunden. Auch wenn die Suche eher durchwachsen war. Ich schickte alle nach Angmar, Kavallerie und Schwerthände. Aber ganz offenbar schätzt der Marschall es nicht, von Freunden umgeben zu sein. Er reiste allein voraus, den Dolch, unseren wichtigsten Hinweis, mit sich nehmend. Die Schwerthände eilten ihm nach. Es wäre um so vieles einfacher gewesen, wenn sie zusammen hätten arbeiten können!
Hauptmann Cardaan und seine Gardisten agierten sehr schnell, nachdem ersteinmal bekannt war, wo der Fürst sich aufhält. Lynne war als Gardistin dabei, was mich umso mehr freut. Sie muss vor Sorge vergangen sein und ich konnte ihr so wenig helfen, war ich doch zum Schweigen verdammt.

Ich traf den Fürsten nur kurz. Er sprach mit seinen Schwerthänden, als ich eintraf. Er bat mich, Rodgars Strafe zu erläutern, was ich tat. Und er fragte, ob er sie abwandeln dürfe. Ich nehme an, er war nicht sehr begeistert, von dem, was ich verfügt hatte. Natürlich ist es sein Recht, die Entscheidungen seines Seneschalls zu ändern, immerhin ist es sein Haus.
Adelante wurde gebracht, das Zeichen der Schande, das Alejandro einst zu tragen hatte. Er sprach mit Wogenwolf, dann tötete er das Tier und zeichnete Rodgar mit dem Blut. Dessen Stirn ziert nun der Buchstabe V. Es wird an Wogenwolf liegen, die Bedeutung des Zeichens zu erschließen.

Alejandro hat sich gefreut, dass ich das Kleid trage, das er mir schenkte und er bat mich, jemanden das Tanzen zu lehren. Ich sagte natürlich zu und verließ das Haus, die Rückkehr in meines dauert derzeit etwas länger, aber ich trat die Reise an und begab mich wieder an meinen Platz, der Fürst hat die Dinge im Griff und bedarf kaum meiner Hilfe…

Ich umarme dich liebe Freundin,
Ellena

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