Die Ehre des Hauses

Liebe Ioreth,
die Pläne des Fürsten nehmen Form an und ich bete, dass Atherton das überstehen wird. Der neue Kämmerer des Fürsten kam, diese Nachricht zu überbringen und es war ein Desaster.

Es ist nach wie vor so, dass Atherton förmlich erschrickt, wenn sich Besucher in mein Haus verirren. Ich würde ihm diese Angst zu gerne nehmen, allein ich weiß nicht wie. Offenbar erwartet Atherton zu jeder Zeit ein Übel oder irgendeine Strafe, die ihn ereilen könnte. Der Kämmerer machte dies nicht eben besser, auch wenn ich nicht annehme, dass es sein Ziel war, Atherton derart zu erschrecken.

Die eigentliche Aufgabe war, Atherton die Nachricht von der Erhebung zum Grafen zu bringen. Ich fürchte, Ioreth, allein davor fürchtet er sich schon. Es ist Zerreißprobe: auf der einen Seite gibt es Atherton, den Mann der mir stes den Sommer bringt und wann immer wir allein sind, mich daran erinnert, dass ich einfach nur Ellena bin. Eine Güte, die ich ihm kaum vergelten kann.

Auf der anderen Seite wird Atherton ein Graf sein, mit allen Privilegien und allen Pflichten. Es ist nötig, Vater würde sonst sicher nicht der Ehe zustimmen. Ich habe Angst, Ioreth. Angst, dass Atherton etwas auf sich nimmt, dass er nicht will. Die Nachricht des Kämmerers mag die erste von vielen sein, die man Graf Atherton überbringen wird – und der Graf, so scheint es, hasst diese Nachrichten. Ich werde mich bemühen, für ihn die Gräfin zu sein, vielleicht kann ich ihn so den Raum für Atherton erhalten.

Alejandros Kämmerer brachte einen Brief, der mehr als seltsam formuliert war. Wo er hätte darüber informieren sollen, dass Atherton künftig Graf ist, musste man lesen, dass der Fürst von Minas Faer seinen Bruder an seiner Seite wünscht, in den Krieg, der da auf uns zu kommen mag.
Das Gesicht Athertons, Ioreth, sprach Bände. Es muss bitter sein zu erkennen, was für Opfer nötig sind. Dabei ist das nicht das Opfer, das zu erbringen ist. Du kannst Dir denken, dass ich diesen Kämmerer verwünscht habe in jenem Moment. Soll sein Herr über ihn richten, ich schickte ihm samt Brief wieder zu Alejandro und ich hoffe es wird ihm deutlich gemacht, was er durch wenige Zeilen verursacht hat.

Dennoch gehen die Dinge ihren Weg. Der Baron von Linhir wird zufrieden sein, seine Tochter erringt ihm immerhin einen Grafentitel. Als hätte das irgendeine Bedeutung. Aber das wird Vater vermutlich nie anders sehen. Ich gewinne einen Mann, einen der mich als Ellena erkennt, Ioreth, was bedeutet da schon ein Titel!

Fühle Dich umarmt liebe Freundin
Ellena

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