Die Macht der Bilder

Der alte Mann stand missmutig im Hauptraum des Hauses. Irgendjemand hatte zum wiederholten Male die Bilder schräg gehängt. Zumindest glaubte Alrich, dass es so sei. Bisher war es ihm nicht gelungen, irgendeinen Beweis für seine Theorie zu finden.

Ein wenig ratlos richtete der Kämmerer das Bild, auch das zum wiederholten Male. Während er weitere Arbeiten im Haus verrichtete, dachte er an sein Treffen mit dem Hauptmann.
Der Hauptmann! Alrich dachte voller Abscheu an die Offiziere, unter denen er schon gedient hatte, als Hauptmann Cardaan vermutlich nur ein flüchtiger Gedanke seiner Mutter war. Es waren keine guten Erinnerungen die Alrich mit jener Zeit verband.

Der Alte blieb stehen, stellte langsam das Geschirr ab, das er aus dem Raum seines Herrn geholt hatte. Es stimmte nicht; jene Offiziere waren schlichtweg unfähig gewesen, die Zeit aber war nicht die schlechteste in seinem Leben. Zumindest hatte er da gewusst, was zutun war und wurde seiner Fähigkeiten wegen geschätzt.Was war ihm jetzt geblieben? Ein neues Leben, eine zweite Chance, das ganz unbestritten.

Und dennoch, wann immer Alrich durchs Haus ging, oder einen Botengang für seinen Herrn unternahm, er wurde zumeist milde belächelt. Ein alter, missmutiger Diener. Alrich war sich nicht ganz sicher, ob er so sterben wollte: verbittert und senil, Geister für ein schiefes Bild verantwortlich machend. Er verzog das Gesicht, als er an die letzten Stunden zurück dachte.

Er hatte sich wahrlich zum Narren gemacht. Seine alte Rüstung angelegt und den Marsch in voller Montur von Wodesfurch nach Schlucht unternommen. Selbst jetzt noch schoss ihm die Röte ins Gesicht. Was hatte er sich dabei gedacht? Dem jungen Fürsten sein Essen auf einem Schild servieren ?! Alrich schüttelte den Kopf und dachte dankbar an die Reaktion des Jungen.

Alejandro hatte nicht gelacht, ihm nicht befohlen, diese Rüstung auszuziehen. Ganz im Gegenteil, er hatte eine Herausforderung formuliert. Alrich unterdrückte mühsam ein Grinsen, als er daran dachte. Der Bengel wusste mit Worten umzugehen und verstand es verdammt gut, damit Männer das tun zu lassen, was nötig war. Natürlich hatte Alrich angenommen, natürlich würde er diese Herausforderung stemmen. Er sei alt, aber nich zu alt, hatte der Fürst gesagt.

Endlich beendete Alrich seine Arbeiten im Haus. der junge Bursche Sethur würde sich um das Feuer kümmern müssen und vor allem endlich mal in der Nähe seines Herrn bleiben. Es gab noch viel zutun in dieser Hinsicht. Eine weitere Herausforderung, Dies musste aber warten, denn zunächst galt es einen weiteren Befehl zu erfüllen.

Es dauerte eine Weile, bis der alte Mann, den ihn noch ungewohnten Waffenrock des Hauses zu seiner Zufriedenheit gerichtet hatte. Blinzelnd trat er aus der Tür des Hauses und sah in die aufgehende Sonne. Zwanzig Runden, jeden Tag, hatte der Hauptmann gesagt. Alrich wusste weshalb. Er war aus der Form und hatte schon zu lange keine Waffe in der Hand gehabt. der Alte lief los und zum ersten Mal an diesem Morgen hatte er ein Ziel vor Augen…

alrich1.png

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.