Die Zukunft des Hauses

Liebe Ioreth,
ich bin wohlbehalten wieder angekommen. Ich nehme an, der Leutnant war sehr erleichtert meiner Gesellschaft endlich ledig zu sein.

Er hat mich gefragt, ob Du noch bei Verstand ist und bezog sich damit wohl auf Deinen Versuch, ihn aus der Fassung zu bringen. Ich musste sehr an Dich denken, als ich ihm meine Antwort gab. Dir hätte das Gesicht des Leutnants sicher gefallen, als ich ihm sagte, dass er sich hüten solle eine Freundin des Hauses Linhir infrage zu stellen. Seine Gesellschafft ist wie eine ständige Mahnung an die Pflicht. Ich glaube fast, der mir eigentlich zugeteilte Gardist ist mir da lieber. Ich glaube ich habe Dir von ihm geschrieben, aber ich merke schon, ich lenke vom Thema ab, dabei ändern sich die Dinge im Haus täglich…

Nach meiner Rückkehr aus Gondor fiel es mir schnell zu, meine Aufgaben als Seneschall wahrzunehmen. Es war irgendwie seltsam, aber da ich endlich meinen Weg kenne, fiel es mir leichter, als noch vor wenigen Wochen.
Die Nachrichten indes waren keine guten. Wie du weißt, bereitet sich der Truchseß der weißen Stadt auf einen Krieg vor oder rüstet sich zumindest für das was da kommen mag. Seine Vasallen sind aufgefordert dem zu folgen, folglich auch Fürst Salas von Minas Faer. Er hat seine Garde in Bereitschaft versetzt und so spüren wir selbst hier im Breeland den Schatten, der sich da im Osten zu regen scheint.

Ich glaube Alejandro würde dem gern entgegehen. Wer wollte das nicht. Und genau das nötigt mir Respekt ab – er versucht, das Unvermeidliche zu verhindern und wird sich dennoch seiner Pflicht stellen, wenn er muss. Ich habe mit seinen Männern gesprochen (lache nicht Ioreth, ich weiß selber, dass ich wie der Verwalter meines Vaters klinge, ich verspreche, im nächsten Brief erwähne ich breeländische Stickmuster) und ich glaube, sie werden dieses Haus mit allen Möglichkeiten zu verteidigen wissen.

Zwischen all dem Krieg, all den Gedanken an den kommenden Tod gibt es ein Licht. Ich habe die Botschaft nicht ganz so leicht aufgenommen, wie ich es vielleicht hätte tun sollen, aber vielleicht war der Gedanke an meine eigene Zukunft einfach noch zu neu, zu ungewohnt.

Lynne erwartet ein Kind und der Vater ist Alejandro Salas. Du liest schon richtig liebe Freundin, und die Nachricht erhielt ich nicht etwa, weil irgendwer des Hauses es mir zutrug, oder der alte Alrich es vor sich hin brummte. Beide baten mich zu sich und sagten es mir.
Ich rechne es ihnen hoch an. So glücklich ich bin, in dem was ich nun machen darf und möchte, machte mir diese Nachricht doch deutlich, welchen Platz ich verlasse. Indem sie mir diese Nachricht selbst überbrachten, sprachen sie mir ihren Dank darüber aus, jedenfalls wirkt es so auf mich. Hätte ich das Recht dazu, ich würde ihnen jeden Segen geben, dem ich mächtig wäre. Ioreth, ich wünsche beiden das Glück, dass sie sich so verdient haben. Alejandro ist mir ein guter Freund geworden und zwischen all dem Reden über die Zukunft seines Hauses ist ihm die seine nur zu wünschen.

Von Lynne habe ich Dir glaube ich schon geschrieben, sie ist eine Gardisten und war zuletzt Leibwache des Fürsten, nun ist sie die Frau an der Seite Alejenadros aus der er seine Kraft schöpft, der er sein Herz gab. Mögen die Valar geben, dass Lynne die Kraft findet, sich und anderen einzugestehen, wer sie ist. Sie hat es wahrlich nicht verdient, stes im Schatten zu stehen, als würde sie etwas Unrechtes tun. Lynne trägt die Zukunft des Hauses in sich und ich frage mich, ob ich zu viel wage, wenn ich ihr das sage.

fühle Dich umarmt, liebe Freundin
Ellena

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