Runde um Runde

Der alte Mann knurrte, er würde natürlich wieder seine Runden laufen. Zwanzig Runden hatte der Hauptmann befohlen, er lief sie- jeden Morgen.
Zumindest das fiel ihm nicht allzu schwer, wenigstens etwas. Alrich grinste fast, als er den Sitz seines Waffengurtes überprüfte und dann loslief. In den ersten Tagen hatte sein Körper noch rebbelliert, die Dienste eine Kämmeres erforderten vieles, aber körperliche Ausdauer gehörte sicher nicht dazu. Inzwischen ging es besser. Offenbar brauchte es nur eine Erinnerung, offenbar hatten die langen Jahre als Soldat und Wacffenknecht ihre Spuren hinterlassen.

Alrich nutze die Zeit um Nachzudenken, er dachte zuviel nach, soviel war sicher. Aber wann immer er sein Schwert in die Hand nahm, verfluchte er seine Entscheidung. Ein alter, gebrechlicher Mann! Ein Schwert halten und es führen, das war ein verdammter Unterschied. Alrich beendete die erste Runde und hielt an. Langsam zog er die Klinge und wog sie nachdenklich in der Hand, versuchsweise auch in der Linken.

Er verzog das Gesicht. Alrich war versucht, diese Uniform entgültig auszuziehen. Zu sinnlos erschien es ihm, sich als Gardist zu verkleiden. Er hatte es dem Jungen sagen wollen. Natürlich hatte der abgelehnt. Es bräuchte jeden Mann in Uniform, es müsse ja keiner wissen, dass er nicht fähig sei, diese Klinge effektiv zu führen. Das war er also, Staffade für ein Schauspiel. Ein Schauspiel, dass einer abgesandten Gondors die Lehnstreue des Hauses beweisen sollte. Alrich lachte bitter. Leutant Aldorn hatte ähnliches gesagt, genauer gesagt er wurde offenbar nicht müde es zu wiederholen.

„Dorn, was immer nach Kampffähigkeit ausseht macht ihr! Wenn es denn helfen würde, schlaft in der verfluchten Uniform und wenn Euch diese rechte Hand zu schaffen macht lernt ihr auf die Linke um!!“ Alrich staunte noch immer. Irgendwie hätte er nie gedacht, dass der glatzköpfige Leutnant in der Lage sei, was anderes zu tun als zu salutieren. Er musste erkennen, der Mann konnte – vor allem behandelte der Leutnant ihn als Gardisten und schien nicht einmal im Ansatz zu akzeptieren, das er selber sich dessen nicht so sicher war…

Alrich steckte die Klinge wieder weg und nahm seinen Lauf routiniert wieder auf. Aldorn hatte ihn an Feldwebel Angor verwiesen. Der Alte musste grinsen. Als er den Mann das letzte mal traf, war der noch Gardist und hatte leider all zu schnell die Situation erkannt: Alrich wusste es im Grunde; aus ihm sprach die Bitterkeit und vielleicht die Erkenntnis, am Ende eines Lebens nicht zu wissen, wo man steht. Angor war sehr deutlich gewesen und hatte gesagt, Alrich wäre nicht der enizige mit einer Vergangenheit.

Verflucht, der Mann hatte Recht. Vielleicht sollte er zum neuen Feldwebel gehen und versuchen, nach all den Jahren seine Waffenhand umzulernen. Zeit genug hätte er ja.
der Alte lief etwas zügiger. 17 Runden lagen noch vor ihm. Anschließend würde er sich wie üblich mit dem Schwert mühen, dann den Wachraum und den des Hauptmanns aufräumen – mehr gab es nicht, für mehr war er nicht eingeteilt worden. Alrich knurrte und setze seinen Weg fort.

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