Jung und alt

Alrich knurrte, als die Tür des Zimmers aufging und erhob sich. Immerhin- der Bengel zuckte nicht mehr zusammen, wenn er ihn sah, Alrich betrachtete das durchaus als Fortschritt.

Wie in letzter Zeit häufiger begrüßte ihn der junge Graf eher knapp. Offenbar gewöhnte er sich daran, ständig eine Wache um sich zu haben und so aß er nachdenklich und verließ ebenso nachdenklich das Haus.

Der Waffenmeister des Fürsten forderte den Jungen ganz offenbar. Alrich hätte vermutet, dass eine Prüfung des alten Söldners irgendwie mit einem geraden Faustschlag ins Gesicht zu tun hätte. Er hatte sich gründlich geirrt. Der Bengel hatte nachzudenken, darüber wer er wirklich ist, keine leichte Aufgabe. Er selber zählte weit über 50 Winter und er hatte bis heute noch nicht wirklich eine zufriedenstellende Antwort darauf gefunden.

Alrich blieb stets einige Schritte hinter Atherton Salas oder besser: dem jungen Grafen Salas, der offenbar vor hatte auf der Suche nach einer Antwort die halbe Siedlung abzulaufen. Er war nicht undankbar dafür, das gab ihm Zeit nachzudenken…

Alejandro überlebte, trotz aller Fahrlässigkeit. Das musste man dem Jungen lassen. Er verstand es, mehr oder minder wohlbehalten aus allen Unbilden herauszukommen. Allerdings, dachte sich der ehemalige Kämmerer, brauchte der Fürst jemanden, der ihn daran erinnerte, dass er verdammt sterblich war – Fürst hin oder her. Der junge Sethur konnte ihm das kaum sagen und so hoffte Alrich auf den Waffenmeister, der nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten hatte. Er selber konnte das nicht mehr tun. Jedenfalls nicht mehr so direkt. Und das hatte er sich selber zu verdanken. Noch immer schoss ihm die Röte ins Gesicht, wenn er daran dachte, dass er -ausgerechnet ein alternder Kämmerer- darum bat, wieder Soldat sein zu können.

Dies bedeutete eben auch, dass er nicht mal eben zu seinem Herrn gehen konnte und ihn einen unbesonnenen Bengel nennen konnte. Das wäre mehr als lächerlich, ganz abgesehen davon, dass sein Hauptmann ihm vermutlich den Kopf abreißen würde. Alrich knurrte, er hatte in seinem Leben schon genug Ärger mit Offizieren gehabt, das würde glatt noch für ein zweites Leben reichen. Also sah er wieder zu Atherton und verkniff sich ein weiteres Knurren. Dann würde er eben seinen Dienst versehen …

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