Pferde stehlen

Liebe Ioreth,
ich habe Dir zu lange nicht geschrieben, aber die Ereignisse hier nehmen ihren Lauf und ich werde mehr und mehr Teil davon.
Nach wie vor lebt Atherton in meinem Haus. Noch immer unter meinem Schutz. Stell Dir vor, Ioreth, er brachte mir den Sommer. Ich weiß, dass Du jetzt lachst, aber er hat sich wirklich Mühe gegeben und alles aufgetrieben, was mich an meine Heimat erinnert. Er sagte übrigens, dass er auch Dich gebracht hätte, wenn er Dich nur gefunden hätte; hüte Dich also lieber, liebe Freundin, denn Atherton ging sogar so weit, dass er das Pferd Alejandros stahl, um seine Reise zu unternehmen und mir dieses wundervolle Geschenk zu machen.
Alejandro war nicht eben begeistert. Ich glaube, er ist sich inzwischen nicht mehr ganz so sicher, wie er mit seinem Bruder umgehen soll. Ich bin es im Grunde auch auch nicht. Atherton ist direkt und spricht eine deutliche Sprache. Es ist seltsam, aber wenn ich ihn treffe erhoffe ich mir die Geborgenheit, die ich sonst so misse.

Alejandro hat mit mir gesprochen. Es ist ihm durchaus aufgefallen, dass ich mich meist zurückziehe. Er erinnerte mich an ein Verprechen, das er mir gab und erinnerte mich auch deutlich daran, dass er Zeichen zu verstehen weiß. Ich nannte ihn Fürst, schlicht weil ich glaubte, dass er die Baroness an seiner Seite wünscht. Ich habe mich wohl geirrt und doch fällt es schwer, meine Aufgaben wahrzunehmen. Zu meinem Glück habe ich wenig zutun.

Ich nutze also die Zeit und reise oder warte. Der Fürst hat viel zutun und es vergeht kaum ein Tag, an dem seine Anwesenheit nicht erforderlich wäre oder er sein Leben nicht in Gefahr brächte. Alejandro tut viel für die Mitglieder seines Haushaltes und ich kann ihn darin kaum unterstützen. Ich nehme an, ich muss es auch nicht.
Es gibt wenig, oder vermutlich nichts, das der Aufmerksamkeit des Fürsten von Minas Faer entgeht und wie stets, hat er immer eine Lösung oder einen Weg, um die seinen zu stärken.

Lynne. Ich denke du weißt inzwischen, dass sie weit mehr als die Leibwache des Fürsten ist. Es ist mir fast unmöglich, ihr begreiflich zu machen, dass ich keinen Groll hege. Wie könnte ich auch; sie folgt ihrem Herzen und er dem seinen. Sie ist sehr besorgt und ich kann ihr diese Sorgen nicht nehmen.
Ioreth, wie mache ich ihr nur begreiflich, dass ich ihr jedes Glück wünsche? Wie kann ich ihr sagen, dass jede Unsicherheit, die sie in mir sehen mag, ganz andere Ursachen hat?
Ich kann es kaum selber benennen, aber ich habe das Gefühl, ich weiß nicht mehr wer ich bin. Lynne sagte mir, das Haus bräuchte Ellena und ich frage mich immer wieder, was ich übersehe. Ich kann nicht erkennen, was Lynne meint …

Liebe Ioreth, wie immer schließe ich diesen Brief und denke voller Wehmut an die Zeit, da wir gemeinsam über solche Dinge lachten.

Fühle Dich umarmt,
Ellena

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