Briefe ins Nichts

Liebe Ioreth,
dieser Brief wird Dich nie erreichen und dennoch muss ich ihn schreiben. Die Stunden wollen nicht vergehen und mir bleibt wenig außer das Zimmer zu druchmessen, in dem ich Abend für Abend eingeschlossen werde.

Es mag eine Woche vergangen sein, seit ich weder Kontakt zu den Mitgliedern meines Hauses hatte, noch die Gelegenheit eine andere Seele zu sprechen, als die meines Wärters. Man behandelt mich mit allen Respekt und biseher ist mir kein Leid zugefügt worden. Es ist und bleibt aber ein Gefängnis.

Ein Assassine, so nannte sich der Mann selbst, entführte mich in Namen ungenannter Auftraggeber. Adlige Gondors, so sagt er. Oh Ioreth, dies ist ein gefährliches Spiel und offenbar soll ich der Einsatz sein.
Man versucht meinen Vater dazu zu bringen, seine Meinung innerhalb des Kriegsrates zu ändern. Ich habe mehrfach versucht zu erklären, dass mein Vater eher seine Tochter opfert, denn vom Motto des Hauses auch nur einen fingerbreit abzurücken – Der Weg so hell – oh ja, für den Baron von Linhir war er stets hell und klar. Er wird natürlich die Treue halten, um jeden Preis.

Die spärlichen Neuigkeiten, die ich mir zusammenreimen kann, lassen mich hoffen. Minas Faer hat Kavallerie und Garde losgeschickt, mich zu finden. Der Assassine hat beide gesehen und auch bemerkt, dass sich die Kavallerie scheinbar zurückgezogen hat, während die Garde einen anderen Weg verfolgt.
Ich wagte nicht, ihn auch nur anzusehen, als ich das hörte. Ich hege die Hoffnung, dass, was immer sie tun, einen Sinn verfolgt, den weder ich noch der Assassine zu erkennen vermag.

Und noch etwas gibt mir zu denken. Der Mann sagte mir, er sei schon zu lange und zu gut darin, ein Assassine zu sein. ich möge doch für uns beide ein wenig mehr Ellena und etwas weniger Baroness sein. Ich habe weder Schwert noch eingeschworene Klingen, aber ich habe den Vorteil, einen komplizierten Tanz zu kennen. Mein Wärter sagte mir, er wurde sei frühster Kindheit ausgebildet – er ist nicht der Einzige in diesem Haus, der früh lernte, jeden Schritt zu bedenken….

Der Brief wurde nicht beendet, das Schreiben aber sehr sorgsam gefaltet und unter einer eher nachlässig begonnenen Stickarbeit mit wenigen Stichen befestigt.

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