Stolz

Alrich hatte seine Kammer in Schlucht ordentlich hinterlassen. Auf dem Bett liegt der Wappenrock der Garde von Minas Faer, sauber zusammengelegt. Darauf liegt ein alter Federhut. Daneben finden sich ein gefalteter Brief, ebenso wie eine kurze Notiz: „Nach Ablauf meiner Frist von sieben Tagen bitte ich darum, diesen Brief und meine Habe an den Fürsten von Minas Faer zu überreichen“

Der Brief ist verhältnismäßig knapp gehalten (könnte ihn jemand anders als der Empfänger denn lesen) und wurde offenbar mit einiger Sorgfalt geschrieben.

Herrn Alejandro Salas, Fürst zu Minas Faer
Alejandro,
was immer mit mir geschah, wenn du diese Zeilen liest, möchte ich Dir dieses mit auf dem Weg geben. Ich habe großes Unrecht an dir getan in jenen Tagen, als wir Perro und Burro kannten. Ich bin nach wie vor nicht stolz darauf.

Stolz aber bin ich auf das was folgte. Du hast an mich gelaubt, und mir Gelegenheit gegeben, meinen Frieden zu machen. Ich hätte dir meinen Dank gerne persönlich ausgesprochen, aber wir beide wissen, dass ich einen jungen Fürsten habe, der nicht alles hören sollte, was alte Männer von sich geben.
Ich habe wenig, was ich Dir geben könnte, außer zuviele Ratschläge. Den Waffenrock der Garde habe ich gern getragen. Sag das dem jungen Hauptmann ruhig, und nimm das Lachen in Kauf. Ich hoffe, man überbringt Dir auch Deinen alten Hut, er war mir immer zu groß, aber er hat mich daran erinnert, wo ich eine Heimat habe.

Zuviel Rat, das habe ich versprochen: Sei Deiner Familie der Mann, den sie braucht. Sei Deinem Haus der Fürst, den es braucht und vergiss dabei nicht, Alejandro zu sein, mein Junge. Und verzeih mir (wenn du kannst) meinen Starrsinn, der mich dahin brachte wo immer ich jetzt auch bin.

Nach all den Jahren habe ich Stolz empfunden. Seht mir also die vertraute Anrede nach, oder schreibt sie meinen sentimentalen Gedanken zu. Da ich nunmal nicht bin, der ich Euch gern gewesen wäre, empfinde ich Stolz, meinem Herrn, Fürst Alejandro Salas zu Minas Faer gedient zu haben. Haltet mich in guter Erinnerung, wenn ihr könnt.

– Alrich Dorn

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