Uns ist der Zorn

Er wollte es zuende bringen. Ein vielleicht letztes Mal nicht vor der Verantwortung fliehen. Alrich knurrte missmutig, zumindest wenn er in seinem Zimmer in Schlucht war, ließ er es sich nicht nehmen, seinen Unmut zu äußern.
Man hatte sein Ansinnen angehört und ihn als Klinge aufgenommen, in allen Konsequenzen. Für sieben Tage. Sieben Tage, in denen er Alrich von Merouns Klingen sein würde. Gyroir… Bruder Gyroir hatte ihn in den Kodex eingewiesen und die Bedingungen erklärt. Der alte Mann hätte Gyroir am liebsten den Waffenrock vor die Füße geworfen und gesagt, dass das alles Unsinn sei, erst Recht für verfluchte sieben Tage! Leider ging das nicht mehr. Alrich knurrte ein weiteres Mal. Dafür hatte er selber gesorgt. Er hatte Alejandro gesagt, dass er es zuende bringen würde. Das war er sich und vielleicht sogar dem Jungen schuldig, der ihn immerhin gehen ließ, sehr wohl wissend, wie die Klingen üblicherweise mit Leuten wie ihm verfuhren. Also hatte Alrich alles getan, was gefordert wurde. Er war, so gut es ihm eben möglich war, eine Klinge – ohne Klagen. Auch das war eine der Bedingungen.

Der dritte Tag also. Und er war wirklich eine Prüfung. Alrich hatte Anweisung, nicht nur als Klinge zu handeln, er musste auch eine sein. Also hatte er sich den Waffenrock der Klingen übergezogen und seinen Dienst versehen. Die meisten Klingen betrachteten ihn ohne größere Fragen als Bruder- ganz wie die Klingen stets taten und nannten ihn Bruder. Nur wenige fragten, warum er nun wieder in ihren Reihen war. Der junge Drakomir hatte seine ganz eigenen Sorgen, offenbar hatte auch er sich den Zorn der Klingen zugezogen und seine Strafe erhalten. Izhkarioth… nun Alrich hatte keine Idee warum, aber der Mann war freundlich gewesen und hatte mit Alrich gesprochen, als sei er wirklich der Bruder. Immer noch ein seltsames Gefühl.

Drakon und Gyroir waren, zumindest solange Damares nicht zur Verfügung stand, sowas wie die Kommandanten der Klingen. Beide erfahren genug. Beide hatten deutlich gemacht, was sie von Alrich erwarteten und er würde es tun! Auch wenn ihm schon der Kiefer schmerzte, sooft wie er zuletzt wütend die Zähne zusammengebissen hatte, um den Kodex der Klingen zu gehorchen – nach außen stets eine Klinge, tadellos und ausgeglichen. Verflucht! Ausgeglichen!! Leichter gesagt als getan, denn es bedeutete auch, sich von 18-jährigen Gören vorführen zu lassen!

Tola war offenbar noch nicht allzu lange eine Klinge, den Worten Drakons nach aber eben dennoch wesentlich würdiger eine Klinge zu sein, als Alrich. Vermutlich hatte er Recht, aber sich das von diesem Mädel ständig unter die Nase reiben zu lassen, begann an seinen Nerven zu zerren. Sie hatte ganz offenbar größte Freude daran, Alrich auf die Probe zu stellen, Entweder grinste sie ihn blöde an, oder sie ließ irgendeinen Kommentar fallen. Im Grunde wäre ihm das egal. Aber dabei auch noch „Ja, Schwester“ sagen zu müssen und keine Möglichkeit zu haben, angemessen zu antworten… Alrich fluchte lauthals und stapfte aus den Raum, die Tür hinter zuwerfend. Das Mädchen hatte einen Satz heiße Ohren verdient!

Draußen angekommen holte er tief Luft. Nur noch wenige Tage, dann war das durchgestanden. Dann würden sie über ihn richten, und vermutlich würden die Klingen kaum richten, indem sie ihn freudig in ihren Reihen aufnahmen. Halb drehte Alrich sich wieder um, gerne würde er mit dem Fürsten darüber reden. Allein, auch das war nicht möglich. keine internen Dinge. Er würde fragen müssen. Abermals knurrte Alrich. Er würde also Gyroir und Drakon seine… Brüder um Erlaubnis fragen müssen, um den Jungen zumindest sagen zu können, was zu erwarten war. Alrich hätte das nie zugegeben, aber Alejandro war ihm ans Herz gewachsen. Der junge Bursche war stur genug, Alrich nie aufgeben zu haben, sogar als er sich selber schon aufgeben hatte.

Uns ist der Zorn. Wenn er an seine Schwester Tola, die seine verfluchte Enkelin sein konnte!! dachte, bekam der Satz einen wesentlich tieferen Sinn. Ohja – ihm war der Zorn; und wie. Sagen dürfte er es mehrfach am Tag, aber eben nur das.

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