Wärme

Lächelnd nahm Ellena ihren Becher entgegen. Der junge Anfortas hatte es immerhin geschafft, den Becher anzureichen, ohne etwas zu verschütten und ohne sich dreimal bei seinem Herrn zu vergewissern, dass er es richtig machte. Der Hauptmann blickte nicht ohne Stolz auf den Jungen, das war unverkennbar. Und tatsächlich hatte Herr Cardaan einen weiten Weg hinter sich. Er hatte jede Aufgabe angenommen und trotz der zusätzlichen Belastung, die man als Vater nunmal hatte, nie vergessen, wem seine Loyalität galt.

Die Baroness nahm einen Schluck und beobachtete den Hauptmann und seinen Diener, die gerade in ein Gespräch vertieft waren. Sie genoss diese Momente; es war ein angenehmes Gefühl von Sicherheit, dass sie hier mit dem warmen Kaminfeuer im Rücken empfand. Ellena sah erst auf, als Mynerya leise den Raum betrat und diensfertig zu ihr kam.

Mynerya, sie war endlich wieder da. Das Haus war einsam ohne sie gewesen und auch wenn Mynerya sich das selber nie eingestehen würde: ihre Stimme war immer beruhigend und Ellena freute es jedesmal, wenn sie ihrer Zofe ein Lächeln entlocken konnte. Bei den Gedanken daran musste Ellena abermals lächeln. Atherton gelang das stets viel besser. Sie wusste nicht woran es lag, vermutlich war es einfach das, was sich ihr Verlobter im Innersten bewahrt hatte. Hinter all den Titeln, all der Würde die er darstellen musste, war er eben doch einfach Atherton, ein Mensch, der sich nie die Freiheit nehmen lassen würde, die Menschen hinter Rang und Namen zu sehen – dafür liebte sie ihn, das wurde Ellena einmal mehr bewusst.

Ellena reichte ihren Becher an ihre Zofe und erhob sich. „Meine Herren, Ihr entschuldigt mich?“ fragte sie an Anfortas und Elmion gewandt. Herr Cardaan stand auf und neigte wie so häufig respektvoll sein Haupt. Ellena dankte ihn für die Unterhaltung, sehr wohl wissend, dass es den Hauptmann vermutlich zu seinem Sohn zog. Sie selber wollte ebenfalls gehen, der Fürst war noch in ihrem Haus und sie wollte ihn nicht warten lassen…

…Ellena saß aufrecht im Bett und sah sich verschlafen um. Das Feuer brannte in Kamin, sicherlich hatte Mynerya es am frühen Morgen entfacht. Alejandro. Richtig, er war vom Pferd gestürzt und hatte vermutlich eine sehr ungemütliche Nacht auf einer Bank am Kamin hinter sich gebracht. Dankbar für den warmen Raum setzte Ellena sich auf die Bettkante. Auf ihrem Tisch lagen noch zwei Briefe. Einer aus Linhir, einer von Herrn Cardaan. Die Entscheidung darüber, was sie damit machen würde verschob sie auf einen Zeitpunkt nach dem Frühstück…

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