Dienst in zivil

Giselher nahm sich das letzte der Kettenhemden in der Rüstkammer vor und begann es mit Sand abzuscheuern. Und noch immer musste er grinsen.

Er war degradiert worden, für einen Tag. Sein Waffengurt und seine Handschuhe lagen noch im Arbeitszimmer des Fürsten. Beides hatte er Lynne… oder besser Fürstin Lynne Salas gegeben. Manchmal hasste er den Fürsten für seine elenden Befehle! Der Hauptmann polierte wütend auf einem hartnäckigen Fleck herum.

Alejandro hatte einen Streit mit seiner Frau ausgefochten und Giselher hatte das Pech, den Wachdienst für den Abend zu haben. Er hatte Befehl erhalten, Lynne solange nicht aus dem Arbeitszimmer zu lassen, bis sie nachgedacht hätte ob sie sich wie ein Kind verhalten möge oder eines erziehen wolle. (Giselher hatte einfach mal in: ‚Seid ihr ein Kind und schmollt oder erkennt ihr langsam, dass der Titel Fürstin Möglichkeiten bietet‘ übersetzt) Es hätte vermutlich Wochen gedauert. Also war Giselher in das Zimmer gegangen und hatte mit Lynne gerede. Zumindest das hatte der Fürst ja nicht verboten…

Giselher hängte das Hemd wieder auf den Ständer und klopfte sich die Hände ab. Dieser Teil des Befehls war denkbar einfach. Zum Leutnant gehen und Meldung zu machen, war ebenso einfach. Auch wenn der Leutnant vermutlich eher verwirrt sein würde. Anschließend Blumen besorgen…

Der Gardist zog die Tür hinter sich zu und nickte. Blumen waren gut, das hätte er auch ohne Befehl gemacht. Er würde also Najisa Blumen bringen… und noch etwas anderes, aber es gab Dinge, die konnte kein Dienstherr der Welt befehlen. Der letzte Teil des Befehls hingegen bereitete Giselher nahezu Kopfschmerzen.

Er sollte sich bei Lynne melden und Bericht erstatten. Bis hierhin kein Problem. Er würde sein Schwert aus der Hand seiner Fürstin zurückerhalten, wenn alles zur Zufriedenheit erledigt war. Inordnung. Er solle mit der Fürstin frühstücken. Sehr gerne sogar. Er hatte Lynne als Gardisten, als Adjudantin und auch als Freundin geschätzt. (Natürlich hoffte er stets, dass der Fürst solche Dinge nicht falsch auffasste, er konnte sehr entschlossen sein, was seine Gattin betraf). Giselher hatte aber eben auch den Befehl, die Fürstin zu einem Frühstück einzuladen in zivil!! Völlig. ohne. Uniform! Wenn Giselher sich recht erinnerte gab es nur eine Art Robe, die angestaubt in einer Truhe lag…

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