Freier Wille

Giselher betrachtete das Schwert, das vor ihm auf dem Tisch lag. Es war eine gut gearbeitete Klinge. Heft und Parierstange verrieten, dass es weniger dekorativen Zwecken diente. Obwohl die Materialien von bester Qualität waren und offenbar ein Meister seines Handwerks filigrane Gravuren auf Parierstange und Schwertknauf angebracht hatte, war es unverkennbar eine effektive Waffe; nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Nachdenklich tippte der Hauptmann mit den Fingern auf sein Notitzbuch, dann beugte er sich vor und begann zu schreiben, den Becher Tee neben sich zunächst vernachlässigend.

Nach diesem Abend habe ich ein neues Schwert haben drei Männer ein neues Schwert. Wenn jemals ein Schwert eine verfluchte symbolische Bedeutung hatte, spätestens jetzt ist das mehr als deutlich!
*an den Rand gekritzelt* Wer hätte gedacht, dass mein eigenes Schwert mal so eine Bedeutung bekommt. War bist jetzt einfach eine Waffe, sonst nichts.

Was ich aber nicht mehr habe, ist einen Freund. Zumindest glaube ich das. So wie es aussieht hält Zarroc mich für einen absoluten Trottel, weil ich nicht einfach umdrehte und den Fürsten stehen ließ. Das ist das Problem. Irgendwann einmal habe ich mich entschieden, dem Haus Minas Faer einen Eid zu leisten und später habe ich mich entschieden, diesen Eid auch zu halten. Im Grunde tue ich das jeden verdammten Tag.
*an den Rand gekritzelt* Das ist doch der Sinn eines Eides – ihn eben zu halten!

Der Fürst… dieser Mann nimmt seine Eide verdammt ernst. Ich habe keine Ahnung, was er mit Zarroc gemacht hätte, als er sagte, dass er einen Eidbruch sieht. Umso leichter fiel mir die Entscheidung, die Schuld auf mich zu nehmen. Ich hatte gleich zwei Gründe: Erstens bin ich sein Hauptmann und er ist einer meiner Leute, er war einer meiner Leute. Zweitens bin ich sein Freund.
*an den Rand gekritzelt* jedenfalls hoffe ich das, er ist gegangen und es sieht so aus als wäre das endgültig. Schlimmer als ein Breeländer der Mann.

Verdammt! Ich habe keine Ahnung, wie das geschehen konnte. Ein Wort gab das andere und ich fand mich kniend vor dem Fürsten wieder. Ich habe gedacht, das war es. Bei allen was Zarroc an jenem Abend getan hat, er hat sich für mein Leben eingesetzt und das kniend. Anschließend ist er gegangen. Er hat nun mein Schwert.
*an den Rand gekritzelt* Das war etwas, das ich nicht nochmal sehen möchte. Er muss es gehasst haben, soetwas zu tun und ich hatte keine Gelegenheit auch nur ein Wort zu sagen.

Ich würde es gern erklären. Zarroc sagen, dass ich weiß, was er getan hat und was er dafür verraten hat. Würde wohl nichts bringen, dieser verfluchte Sturkopf er hält mich wohl für einem willenlosen Trottel.
*an den Rand gekritzelt* Wie auch immer, vielleicht findet er seinen Frieden. Mit Cayjen und muss mein Schwert nicht benutzen. Zarroc Angor, ich hätte dir gerne auf andere Weise gratuliert. Oder zumindest gehofft, Du könntest anerkennen, dass ich eine freie Entscheidung getroffen habe. Verflucht! Warum musstest du Hals über Kopf gehen?!

Giselher klappte das Buch zu, griff nach seinem Teebecher. Das war das Schlimmste. Indem Zarroc ging, hatte der sehr deutlich gemacht, was er von Giselhers Überzeugungen hielt. Es schmerzte. Weit mehr als die Tatsache, dass sein Lehnsherr ihn dem Tod überantwortet hätte. Sogar hatte! Denn als er sich wieder erhob und das Schwert des Herzogs entgegen nahm, hatte er noch seinen Kopf, aber eben auch dieses Schwert.
Der Hauptmann beugte sich vor und griff nach dem Schwertheft, wog die Klinge langsam in seiner Hand. Sein Schwert nun, eine Klinge die vor ihm in den Händen der Herzöge von Ost-Agar lag. Giselher kannte inzwischen das Wappen seines Herrn; in einem Feld war auf rotem Grund ein Schwert abgebildet…

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