Freizeit

Kritisch betrachtete Giselher seine Ausrüstung. Vor ihm lag eine Angel, gefertigt aus Lebethronholz, der Mann in Bree hatte gesagt, dass wäre das Beste, weil das Holz sehr biegsam und dabei stabil sei.

Wenn er ehrlich sein sollte, hatte er keine Ahnung ob das stimmte. Im Grunde fand er es sogar lächerlich, ein Stück Schnur in einen Bach zu halten und dann stundenlang nichts zu tun. Fast musste der Hauptmann auflachen; besah man es von dieser Seite, müsste jeder Gardist der perfekte Angler sein. Stundenlang rumstehen konnte er ja sozusagen von Berufs wegen.

Das Problem dabei war ein anderes. Es enstpannte ihn schlicht nicht. Immer wenn er am Wasser stand schweiften seine Gedanken. Er dachte über die Garde nach, die er nicht mehr hatte und über die Aufgabe, die er dennoch zu erfüllen hatte. Giselher hoffte wirklich inständig, dass der Fürst sich für die Klingen entscheiden würde. Sie waren die beste Gewähr, das Haus und dessen Mitglieder zu schützen…

Entschlossen griff Giselher die Angel und seine Tasche. Er hatte sogar auf jede Form von Uniform un Rüstung verzichtet. Das hätte ihm gerade noch gefehlt, in Uniform mit einer Angel am Ufer zu stehen. Sir Giselher Aldorn Ritter zu Ost Agar und Minas Faer stand an einem Fluss und angelte erschreckend kleine Fische… großartig. Er nahm sich vor, einen Ort zu wählen, den der Fürst vielleicht nicht aufsuchen würde. Diese Erklärung wollte er dann doch nicht abgeben. Giselher verzog das Gesicht als er sich den entsprechenden Dialog nur vorstellte.

„Sir Giselher, was genau tut ihr hier?“ „Herr! Ich angle, Herr!“ Vielleicht konnte man das als kriegswichtig einstufen, Versorgung der Truppen oder so. Andererseits war sich Giselher ziemlich sicher, dass Ritter nicht angeln gehen, vermutlich machten des deren Knappen oder Diener oder wer auch immer. Der Hauptmann schüttelte den Kopf und stellte sich abseits des Haupthauses ans Ufer, darauf hoffend dass ihn der Pavillion und die Bäume verbergen würden. Dann hielt er die Angel ins Wasser und starrte darauf…

… Etwa zehn Minuten später zog er die Schnur entnervt aus dem Wasser. Angeln kam nicht infrage. Najisa, die würde sicher eine Idee haben, ihn von seinen ständigen Gedanken ablenken. Sie war aber nicht hier und um genau zu sein, war sie entschieden zu weit weg. Schon vor Tagen hatte Giselher das Wachhaus bezogen, dort war es wenigstens nicht so still… naja eigentlich doch, viele Wachen gingen dort nicht mehr ein und aus. Aber zumindest erinnerte ihn dort nicht alles an seine Verlobte, die wohl noch einige Monate in Gondor bleiben würde.

Giselher seufzte und packte seine Sachen zusammen. Er würde sich seine Rüstung anziehen und dann ein wenig üben. Vielleicht einige Aufträge annehmen, solange ihn der Fürst entbehren konnte. Fast irritiert stellte Giselher fest, dass er keine Geduld hatte. Da hatte er Stunden vor Türen gestanden und Wache gehalten, oft dankbar wenigstens ein Bild vor sich zu haben, das er während der langen Wachen ansehen konnte. Und es hatte ihn nie gestört, das gehörte dazu, es war eben der Dienst. Aber einfach so rumstehen und einen Stock ins Wasser halten? Nein, er würde sich wirklich seine Rüstung anlegen gehen und irgendetwas tun…

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