Herren und Diener

Zwei Bände lagen auf Giselhers Schreibtisch. „Kodize und Verhaltensweisen am Hof“ war auf dem einen Einband zu lesen und „Beoner, Ritter zu Gondor, sein Leben, seine Geschichte, erzählt von Fandeth, seinem Knappen“ lautete der zweite Titel. Der Hauptmann seufzte und nahm das zweite der beiden Bücher zur Hand. Es klang vielversprechend, hatte es doch immerhin ein „Knappe“ im Titel.

Die Lektüre war auch bitter notwendig. Langsam gewann Giselher den Eindruck, dass sein Handeln das Wohlergehen Vieler bestimmen konnte. Er sollte es gewohnt sein, dachte er zumindest. Er hatte lange genug als Offizier gedient und seine Befehle bestimmten natürlich das Handeln seiner Leute. Aber irgendwann hatten die Dienstschluss – hier lag der Fall gänzlich anders.

Zum einen war da Zarroc Angor. Sein Leben, ebenso wie das seiner Frau, wurde praktisch in seine Hände gegeben. Giselher verzog allein bei dem Gedanken leicht das Gesicht. Sogar hier in seinem Arbeitszimmer waren die Geräusche von draußen zu hören. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte seine Vermutung. Angor war dabei einige Holzscheite zu hacken. Wenigstens ließ diese Tätigkeit erahnen, was der Waffenknecht eigentlich war.
Angor hatte keinen Dienstschluss mehr, er hatte Giselher gebeten m Haus bleiben zu dürfen. Und der einzige Weg, den Giselher sah, war ihn in seine Dienste zu nehmen, sodass er ihm und nur darüber dann auch dem Fürsten verantwortlich war. Es ging ganz gut. Sah man davon ab, dass sein alter Freund in seither nur mit ‚Herr‘ ansprach und stets den Blick senkte. Es gab keine Uniform mehr, die Zarroc ausziehen konnte. Er war nun auf Gedeih und Verderb sein Mann ebenso wie Giselher sein Herr war. Der Hauptmann nahm den Blick vom Fenster und musste fast grinsen. Vielleicht sollte er dem Rat Drakons folgen und mit Zarroc mal in dessen Sprache reden.

Das war der eine. Seit neustem aber gab es auch einen Knappe. Giselher besah kritisch den Band auf dem Tisch und nahm schlug dann doch den auf, den er ohnedies in den Händen hielt, blätterte durch die Seiten.
Reobreds Vater hatte an die Gröfin geschrieben. Sein Sohn solle ausgebildet werden und das in der Garde Minas Faers. Es war Giselher ein Rätsel, wie der Mann die Garde als mächtig enstufen konnte. Derzeit bestand sie im Grunde nur aus ihm selber. Wie auch immer, die Gräfin hatte Reobred an ihn verwiesen und so hatte er sich aufgemacht, den Mann zu suchen. Es stand außer Frage, dass er ihn den Fürsten vorstellte. Immerhin. war dies Cinlirs Garde – und der Fürst hatte entschieden. Nun war Reobred also der Knappe Giselhers. Für zwei Wochen hatte der Fürst ihn dazu gemacht. Nach dessen Aussage, um den Mann Demut zu lehren.

Giselher war sich nicht sicher, ob es das war was Reobred im Sinn hatte, aber der Mann hatte zugestimmt und auch er nannte ihn seither ‚Sir‘. Auch er würde nun von Giselher abhängig sein und ihm, hier schluckte der Ritter kurz, als Knappe dienen, was auch immer das heißen sollte. Er würde es nachlesen müssen. Er hatte Eide gesprochen und jene, die ihm nun unterstellt waren, waren im Grunde ebenfalls daran gebunden. Giselher hoffte, dass das Buch ein paar Antworten liefern würde und begann zu lesen…

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