Schlachtaufstellung

Missmutig betrachtete Giselher das Buch. Vermutlich waren die Informationen eindeutig, zumindest für jemanden, der wusste, worauf es hierbei ankam. Der Ritter hatte absolut keine Ahnung, ob die Mengenangaben stimmten, oder ob er die nötige Ausrüstung zusammenbekommen würde. Er seufzte, setzte den Helm ab und legte seine Handschuhe daneben. Es war klar, dass dies seit seiner Erhebung zum Ritter eine der schwierigsten Aufgaben war, die er zu bewältigen hatte.

Es half alles nichts, also griff er nach der Schürze und sah dann erneut ins Buch. „Die Eier in eine Schüssel schlagen (…)“ Der Gardist ging einfach mal davon aus, dass das nicht im herkömmlichen Sinne gemeint war, bei der Liste der benötigen Werkzeuge, war zudem an keiner Stelle von einem Schwert die Rede. Giselher nickte zufrieden, als er erfolgreich Mehl und Butter hinzugefügt hatte. Er war sich nicht ganz sicher, ob er die richtigen Mengen hatte. Aber zumindest bei der Vanille war er sich sicher. Zu seinem Glück hatte Tereloc sehr genau erklärt, welche Mengenangabe ‚ein bisschen’zu bedeuten hatte. Was das betraf, waren die Bücher über Kriegsführung und Taktik eindeutig verständlicher geschrieben. Dort gab es immer exakte Zahlen – niemand schrieb solche Dinge wie „und achte darauf, dass Dein Heer ausgewogen ist, sollte das nicht der Fall sein, kann man mit ein wenig Infanterie abhelfen“.

Giselher schnaubte wütend, während er den Teig knetete. In einem Taktikbuch hätte „524 Infanteristen“ gestanden. Etwas, was man nachzählen und überprüfen konnte! Angaben wie „etwas“ und „ein wenig“ waren völlig unbrauchbar! Vom Teig des Ritters konnte man bisher ähnliches sagen. Der größte Teil davon klebte an den Händen, was noch übrig war klebte auf dem großen Tisch der Küche…

… eine Stunde später sah der Tisch nicht wirklich besser aus, aber dafür gab es nun eine ausreichend große Menge Teig, die der Beschreibung im Buch ähnelte (und er hatte inzwischen auch rausbekommen, dass das Rührteig heißt, eben weil man nicht! mit den Händen darin herumkneten musste). Jedenfalls hoffe Giselher das der Teig der Beschreibung ähnelte. Denn er war sich nicht sicher, ob er ein zweites Mal den Mut aufbringen würde, einen Kuchen zu backen. Also griff er nach der Kuchenform und rief sich nocheinmal den Hinweis ins Gedächtnis, der neben dem FRezept gestanden hatte „Darauf achten, dass der Teig nicht bis zum Rand reicht und ihn mit einem Messer glatt streichen (…)“

Der Hauptmann betrachtete sein Werk und stellte fest, dass der Rand nicht sein Problem sein würde. Ein Gutteil des Teigs war über den Tisch verteilt, was noch übrig war füllte gerade soweit die Kuchenform, dass ein Hobbit das nicht mehr als Muffin betrachten würde. Er schob die Form in den Ofen und war versucht, ein ernstes Gebet zu sprechen. So oder so, er würde diesen Raum nicht verlassen bis der Kuchen fertig gebacken war. Das Risiko, dass im letzten Moment alles verbrennen würde, war ihm entschieden zu hoch…

„Die Kovertüre zunächst im Wasserbad erhitzen, darauf achten, dass kein Wasser an die geschmolzene Schokolade gerät!! (…)“ Giselher runzelte die Stirn. Wenn sie sogar zwei Ausrufezeichen darauf verwendeten, musste es wohl wichtig sein. Bisher hatte er allerdings noch nicht rausbekommen, wie man etwas in einem Wasserbad erhitzen sollte, ohne dass Wasser daran gerät. Giselher schickte sich, die Küche zu verlassn und Tereloc zu suchen, drehte dann aber rasch wieder um. Nein, den Kuchen würde er auf keinen Fall in dieser heiklen Phase allein lassen.

Giselher sah seufzend zum Fenster. Seiner Schätzung nach waren drei Stunden vergangen. Aber vor ihm stand etwas, das man auf den ersten Blick durchaus für einen Kuchen halten konnte. Nunja, der Schokaledenüberzug glänzte nicht mal anähernd so, wie es die Zeichnung im Buch vermuten ließ und irgendwie war sie auch… Giselher legte den Kopf schräg und drehte den Kuchen ein wenig. Von dieser Seite sah es fast wie ein Relief des Nebelgebirges aus.

Es war nicht mehr zu ändern. Blieb nur noch zu hoffen, dass es zumindest nach Kuchen schmeckte. Saladoc hatte sein Wort gehalten, also musste Giselher das seine halten. Irgendwie hatte er gehofft, dass er auf andere Weise hätte beweisen können, dass er ein Mann von Ehre ist. Derzeit wären ihm dafür sogar zu erschlagende Drachen recht, wenn es sein musste auch ein ausgewachsener Kriegsfall.

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