Spärliche Informationen

Liebe Ellena,
ich muss mich doch langsam fragen, wo eigenlich Deine Briefe bleiben. Du willst doch bitte nicht von mir erwarten, dass ich mich hier mit Bruchstücken von Informationen zufrieden gebe. Auch wenn Du Dir sehr sicher sein darfst: ich bekomme jede Information die ich brauche. Es ist wirklich erstaunlich was man erreichen kann, wenn man im richtigen Augenblick die Augen niederschlägt und kichert. Ich bin wirklich froh, dass Dein Vater noch immer glaubt, eine Frau erühre nur das, was ein Mann sie wissen sie lässt.

Aber genug von diesem leidigen Thema. Soviel weiß ich aus Deinen letzten Briefen zumindest noch: die Ehe mit Atherton wurde annuliert. Und auch hier ist das nicht unkommentiert zur Kenntnis genommen worden. Der Baron hat getobt vor Wut, wie Du Dir vorstellen kannst und es ist klar, dass er keine guten Worte für Dich fand. Aber wann fand er je für eines seiner Kinder gute Worte!

Du hast mir zuletzt geschrieben, dass Atherton sich in die Arbeit stürzt und das wohl auch nicht erfolglos, Du ihn aber sonst nicht zu sehen bekommst. Meine liebe Ellena, ich bin entschieden zu weit weg! Vermutlich fragst Du Dich ständig, ob Du schuldig bist. Bei den Valar, du fühlst Dich immer für irgendwas schuldig. Hast du je daran gedacht, das man sowas das Leben nennt? Sei doch einfach dankbar für das, was ihr hattet.
Ich für meinen Teil werde den Grafen umarmen und ihn vom Herzen danken. Wie ich das sehe, war er der Einzige, der in der Lage war, Dir klar zu machen, dass auch Du eine gewisse Freude am Leben haben darfst. Naja gut, ich werde den Grafen wohl nicht umarmen – das liegt aber nur daran, dass ich nicht weiß, wann ich den Mann je sehen werde, sei Dir da sicher!

Das, liebe Freundin bringt mich gleich zum nächsten Thema. Wer ist Freiherr Tharlegond Elteror! Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass es mir nicht auffällt, dass Du in jedem Deiner Briefe den Leutnant der Garde des Fürsten zu Minas Faer erwähnst. Also wirklich, Ellena! Entweder, Du strebst eine Karierre als Soldat an, oder da ist wesentlich näherliegendes im Spiel.
Ist Dir eigentlich je aufgefallen, dass Du vor allem dann komplett um ein Thema herumschreibst, wenn sich abzeichnet, dass Du allein an Dich denkst oder für Dich handelst (oder handeln willst) und ausnahmsweise mal nicht für nicht für Linhir, dein Fürstentum im Breeland, den Truchseß oder sonstwen agieren musst?

Du darfst nie vergessen, dass ich Dich schon zu lange kenne, liebe Ellena. Also: was hast Du über Deinen Freiherrn zu erzählen? Du willst mir doch nicht weis machen, dass Du ein plötzliches Interesse am Militär entwickelt hast. Und ich leiste Dir gern jeden Schwur, dass ich dem Mann selber schreiben werde, wenn Du noch weiter so um das Offensichtliche herumschreibst. Ja, sieh das ruhig als Drohung, ich hoffe es bewegt Dich zu etwas aussagekräftigeren Briefen.

Übrigens hoffe ich, dass Du in Zukunft Boten schickst, die… nun, sagen wir, die etwas zugänglicher sind. Im Gegensatz zu den Wachen Deines Vaters ist dieser Drakon Meroun pflichtbewusst bis zuletzt. Ich fragte mich zuweilen, ob er überhaupt isst, schläft und atmet, wie es normale Menschen zu tun pflegen. Jedenfalls habe ich aus ihm kein Wort herausbekommen, sieht man von höflichen Hinweisen, dass er nichts über das Pribvatleben seiner Herrin erzählen wird, ab. Ich habe es sogar mit dem grünen (!) Kleid versucht, ohne Erfolg!

Meine liebe Ellena, halte Dich in der Ferne an klugen Rat. Vielleicht an den der Fürstin Sybell. Sie müsste doch bald niederkommen, oder? Du solltest unbedingt ein paar Worte mit ihr wechseln, ich habe den Eindruck, sie hat schon längst erfasst, dass es ein oder zwei Dinge mehr im Leben zu erfahren gibt, als eine pflichtbewusste Tochter oder Ehegattin zu sein.

Sonst hoffe ich, dass es Dir in Deiner neuen Heimat so gut ergeht, wie man es sich wünschen kann. Glaube mir, wir vermissen Dich sehr, da mag Dein Vater fluchen und verfluchen was oder wen er will. Von Deinem Bruder haben wir so wenig Nachricht wie Du, aber das ist im Grunde eine gute Nachricht; denn es bedeutet, dass er noch unter den Lebenden weilt und seine Aufgabe an den Grenzen des Landes erfüllt. Dein Bote ist zu ihm aufgebrochen, auch wenn das schon wieder einige Monate her ist.

Fühle Dich unarmt und vor allem: fühle Dich ermahnt, ich erwarte einen Brief, meine liebe Freundin!
– Ioreth

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