Prophezeiung

In Jahren…

Die junge Frau trug ihre Bürde tapfer. Keine Träne war auf ihrem Gesicht zu sehen und auch sonst ließ nichts darauf schließen, in welcher Gemütsverfassung Ailis Winthallan war. Allein der etwas stärkere Druck, den sie mit ihrer Hand auf den Arm des Ritters ausübte, verriet etwas von ihrer Nervosität. Giselher kam nicht umhin, sie dafür zu bewundern. „Euer Ehemann wird ein guter Mann sein, Milady. Euer Vater würde sich nie mit weniger als dem Bestem zufrieden geben“. Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Mädchens „Ich weiß, Onkel, deshalb seit Ihr ja bei mir“ Nun war es an Giselher, kurz zu lächeln und er unterdrückte den Impuls Ailis väterlich die Hand zu tätscheln. Es schien ihm, als sei es erst gestern gewesen, aber es war Jahre her, dass ein kleines Mädchen den Ritter ‚Onkel‘ nannte, während ihr Bruder ihn zum wiederholten Male aufforderte, endlich einen richtigen Schwertkampf mit ihm zu fechten. All dies lag Jahre zurück, und nun war es an Giselher die Tochter seines Herrn in die Hände ihres künftigen Ehemanns zu geben..

Die Zofe Ailis‘ betrat den Raum und knickste kurz „Die Prinzessin ist nun soweit, Herr“ Giselher unterbrach sein Durchmessen des Raumes und blieb vor der Zofe stehen, dann nickte er. Nach wenigen Schritten waren sie vor den Gemächern angekommen. Giselher atmete tief durch und wartete dann, dass die Tür geöffnet wurde. „Milady“ war das einzige, was Giselher hervorbrachte während er sich verbeugte. Das Mädchen tat ihm schlicht leid. Sie war allein in ihrer neuen Heimat. Das war nicht wörtlich zu nehmen, denn immerhin brachte sie ihr eigenes Gefolge mit. Aber sie war doch ohne ihre Eltern gekommen, oder ihren Bruder. Stattdessen musste sie sich mit dem alternden Ritter ihres Vaters zufrieden geben. Als Giselher sich wieder aufrichtete, stand Ailis bereits an seiner Seite und schenkte ihm ein Lächeln. Ja, ihr künftiger Ehemann dürfte sich wahrhaftig einen glücklichen Mann nennen dürfen…

„Euer Gnaden, ich darf Euch Eure Braut vorstellen, Prinzessin Ailis Winthallan von Ost-Agar und Minas Faer“ Giselher hob sacht seinen Arm auf dem die Hand der Prinzessin lag und ging dann einen Schritt zurück, diesmal in der Verbeugung bleibend. Sein Gegenüber nickte dem Ritter zu, dann wendete er sich seiner Braut zu …

Als Giselher den Raum verließ, eilte sein Knappe an seine Seite. „Bereite alles für die Abreise vor, Junge. Der Herzog wird wissen wollen, ob die Prinzessin wohlbehalten angekommen ist“. Der Knappe nickte, dann lief er los, vermutlich um Freiherrn Elteror aufzusuchen. Ja, der Herzog würde den Bericht wollen, er würde aber auch wissen wollen, wie es seiner Tochter geht…

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