Zukunftspläne

Liebe Ioreth,
wie so oft muss ich mit einer Entschuldigung beginnen. Ich habe viel zu lange nicht geschrieben. Ich hoffe indes, Du wirst am Ende dieses Briefes etwas milder gestimmt sein, ist mein langes Schweigen doch den Ereignissen geschuldet oder vielmehr denen, die ich mir noch erhoffe.

Ich habe Dir bereits vom Freiherrn Tharlegond Elteror berichtet und ja, liebe Freundin, ich erinnere mich noch sehr gut an Deine deutlichen Hinweise; natürlich hattest Du recht! Und ich bedauere das nicht. Es war und ist ganz gewiss weit mehr als das Interesse an Berichten aus der Heimat, das mich die Nähe des Freiherrn suchen lässt.

Herr Elteror war stets ausgesucht höflich zu mir. Ich gestehe, das ist erstmal nicht sonderlich hervorzuheben, ist es doch so, dass mir jeder des Haushaltes freundlich oder doch zumindest höflich begegnet. Die meisten kenne ich nicht mehr persönlich, sie alle aber scheinen mit meinen Namen etwas anfangen zu können und reagieren entsprechend.
Der Freiherr… Tharlegond aber ging einen mir sehr wichtigen Schritt weiter. Er hörte zu und (wehe du lachst nun!) begnetete mir auf eine Weise, die ich verstehen konnte. Hier im Breeland funktioniert so ziemlich alles anders, als ich es aus der Heimat gewohnt bin. So war es mir eine Wohltat endlich wieder einmal die Spielregeln zu kennen.

Sehr lange währte dies allerdings nicht, Ioreth! Ich erkenne mich kaum wieder. Ich bin voller Ungeduld und habe mich in jeder Stunde gefragt, wann er wohl den Schritt wagen würde und zu meinen Muntherrn gehen würde. Als ich die Kinder Sybells sah, kam ich nicht umhin, mir vorzustellen, wie es wohl wäre, selber welche zu haben. Es ist wunderbar Sybell und ihre Kinder zu sehen. Es sieht… mir fällt keine bessere Umschreibung ein, erfüllt aus.

Und nun ist es tatsächlich geschehen. Der Fürst gab Tharlegond sein Einverständnis! Ebenso wie Atherton. Ich sehe ihn kaum, aber der Fürst hat mit ihm gesprochen, ebenso wie es Tharlegond tat. Ich verdanke Atherton so viel, nicht zuletzt, die Fähigkeit ich um meiner selbst willen zu freuen. Umso wichtiger ist es mir, dass ich seinen Segen haben werde.
Glaube es oder nicht, liebe Freundin, aber ich freue mich darauf wie einst in Jugendtagen, womöglich eine eigene Familie zu haben. Ich nehme an, Vater wird das nicht gefallen, aber letztlich hat er selber dafür gesorgt, dass diese Entscheidung nicht mehr bei ihm liegt. Und mein Muntherr hatte die Güte, sie zumindest so weit in meine Hände zu legen, als dass er meine Zustimmung einholte.

Ich übe mich nun in Geduld, und schaffe es doch kaum, den Stickrahmen länger als ein paar Minuten zu nutzen. Schließe ich die Augen, so sehe ich den ruhigen und doch so innigen Blick Tharlegonds. Wenn ich allein im Haus bin, erinnere ich mich an die nahezu sanfte Stimme Tharlegonds, die in meiner Gegenwart stets von einem Lächeln begleitet ist. Ich gerate ins Schwärmen, Ioreth, ich ahne es. Dennoch war es mir ein Bedürfnis Dir all dies mitzuteilen. Ich hoffe sehr, ich werde Dir bald wieder schreiben können und wer weiß, vielleicht trägt das Schreiben dann bereits einen anderen Namen.

Ich umarme Dich und bete, dass die Valar Dich schützen mögen
Ellena von Linhir

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