Herrn Gernoth Aldorn

Der Bote betrachtete die Hütte verwundert, stieg dann aber doch aus dem Sattel. Es wusste zwar, dass der Seneschall ursprünglich aus dem Breeland stammte, nicht aber, dass es wörtlich zu nehmen war, wenn er sagte: ‚Glaubt mir ich bin stur, wie ein breeländischer Bauer‘. Der Mann zuckte mit den Schultern und klopfte an der Tür, er hatte einen Brief zu überbringen, alles Weitere ging ihn nichts an.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Tür geöffnet wurde und ein alter Mann vor ihm stand, dessen weißes Haar ganz im Gegensatz zu dem stechenden Blick stand, den sein Sohn offenbar geerbt hatte. „Was willst Du Bursche?“ grummelte der Alte „Ich habe zutun!“ Der Bote fragte sich, was der Vater des Seneschalls zutun haben konnte, behielt die Frage aber besser für sich. Stattdessen verbeugte er sich und teilte dem alten Aldorn seinen Auftrag mit: „Ich komme im Auftrag, von Sir Giselher Aldorn und soll Euch diesen Brief überbringen“ er verharrte in der Verbeugung und hielt einen Brief in Aldorns Richtung, der das Siegel des Seneschalls trug. „Erstens. Ihr werdet ein Rückenleiden bekommen, wenn Ihr weiter da so steht, oder befiehlt mein Sohn Euch diesen Unsinn? Zweitens. Ich bin Bauer kein Gelehrter! Glaubt Ihr ich kann das lesen? Setzt Euch gefälligst und lest mir vor, wenn der Bengel schon nicht selber kommen kann!“

Der Bote hob zu einer Erwiederung an: „Aber Herr! Der ‚Bengel‘ ist Seneschall und außerdem Stadr..“. „Ich weiß, was er ist!“ wurde er rüde unterbrochen „Und nun setzt Euch, oder wollt Ihr etwa dem Vater des Seneschalls etwas abschlagen?“ Der jüngere Mann musste schmunzeln. Das nannte man dann wohl Bauernschläue. Also setzte er sich, und begann vorzulesen:

Herrn
Gernoth Aldorn
Pächter auf dem Hof Dornlags

Lieber Vater,
ich hoffe, Du sitzt und ich hoffe, Dein Zorn wird mich nicht verfolgen. Ich weiß, dass Du eine ganze Weile gebraucht hast, zu akzeptieren, dass ich nicht den Weg einschlug, den Du erwartet hast. Aber vielleicht wird es Dich freuen, dass ich in meinem neuen Amt durchaus Gelegenheit habe, mich meiner Heimat zu widmen oder eben den Problemen von Leuten, die nicht von Adel sind. Ich wurde heute in das Amt eines Stadtrates von Bree berufen und habe versprochen, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen werde.
Bryanne nahm die Nachricht sehr gut auf. Sie sagte sogar, dass sie es ‚wundervoll‘ findet. Vater, diese Frau ist das Beste, was mir im Leben passieren konnte. Ich hoffe Du bist wohlauf und wir werden uns bald sehen können.

Dein Dich liebender Sohn
Giselher

Der Alte nickte, als der Bote den Brief faltete und Gernoth reichte. „Ihr kehrt zu meinem Sohn zurück, Bursche?“.„Ja, Herr“, antwortete dieser. „Und ich habe den Auftrag jede Nachricht zu überbringen, die Ihr zu übermitteln wünscht. Soll ich ein Antwortschreiben aufsetzen?“ Der Alte winkte ab. „Ihr werdet Euch ja wohl noch zwei Sätze merken können, Junge! Sagt dem Beng.. dem Stadtrat, dass er recht hat, seine Frau ist das Beste, was ihm passieren konnte und sagt ihm auch, dass er scheinbar nicht völlig missraten ist, wenn ihm noch einfällt, wo seine Wurzeln sind! Und nun macht, dass ihr wegkommt!“ Verwirrt nickte der Bote und schwang sich wieder in den Sattel, so konnte er nicht mehr sehen, dass der alte Gernoth sich kurz über die Augen wischte und dann ins Haus ging. Dort hatte er noch einen schönen Krug Bier, den er heute trinken würde, er war stolz Vater zu sein …

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