Sturkopf

Giselher saß nun schon schon einige Stunden in seinem Arbeitszimmer und starrte in das Kaminfeuer. Neben ihm lag auf dem Tisch sein Notizbuch, in welchem er versucht hatte, seine Gedanken geordnet zu Papier zu bringen. Es war ihm bisher nur bedingt gelungen. wahrscheinlich sollte er mit jemanden darüber reden, sobald er das wieder konnte, ohne dass ihm die Wut hochkam.

Worüber er wütend war konnte er nicht so recht sagen. Sicher, der Ritter war auf seinen Knappen wütend, der ihn so unverhohlen ins Gesicht gesagt hatte, dass er nur ist was er ist, weil andere dies für ihn wollten. Auf der anderen Seite hatte Eondra ja durchaus recht damit. Sein Vater hatte nie gefragt, sein Ziehvater ebenso wenig und Giselher hatte es auch nicht getan. Er war einfach davon ausgegangen, dass er Eondra richtig einschätzte. Er war ebenso davon ausgegangen, dass er seinen Eid aus freien Stücken geleistet hatte. Das letzte Gespräch hatte die Dinge allerings in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen.

Beide hatten einander eher angebellt, als dass sie gesprochen hatten. Das Ende des Ganzen ärgerte Giselher bald noch viel mehr. Er hatte Eondra aus der Liste der Gardisten gestrichen, nachdem sein Knappe ihm gesagt hatte, dass er keinerlei Ehrgeiz hätte und sehr zudrieden mit dem sei, was er habe. Giselher schnaubte beinahe wütend auf. Einen Breeländer, der zwar zu Ehren gekommen war, sonst aber eben ein verdammter Breeländer war, den Tee zu servieren! Das war eine Verschwendung der Talente, die er in Eondra sah.

Deshalb war Giselher im Grunde auf die Idee gekommen. Sein Knappe hatte in den wenigen Monaten, die er nun in seinen Diensten stand viel und das mit einer äußersten Ausdauer gelernt. Wo Eondra zu Beginn kaum ein Schwert halten konnte, war er nun in der Lage einen Kampf mehr als nur zu bestehen. Giselher hatte es selbst bemerkt; beim letzten Übungskampf hatten sich beide ichts geschenkt und Eondra hatte ihn letztlich zu Boden geschickt.
Ähnlich gut machte er sich beim Wachdienst. Für Giselher war das nach wie vor die Disziplin, die am ehsten zeigte, wieviel Geduld und Ausdauer ein Mann mit sich brachte. Ebenso eine die zeigte, wie gut er darin war, Befehle umzusetzen. Eondra schein weder das Eine noch das Andere Schwierigkeiten zu bereiten.

Eondra indes war eben nicht nur ein Rekrut der Garde sondern auch Knappe, was wohl mit sich brachte, dass die Erlangung der Ritterschaft zumindest im Raum stand. Das wiederum hatte Giselher auf die nächste Idee gebracht. Von der er sich nicht mehr so sicher war, ob es noch als eine ‘gute’ Idee anzusehen war. Der Plan erschien ihm schlicht aber gangbar. Oder war ihm zunächst so erschienen. Er hatte Eondra die Aufgabe übertragen, sich um die Inspektion zu kümmern. Befehlsgewalt in abgesteckten Rahmen, gleichsam zum Erproben. Es schien gut zu laufen, bis zu jenem Abend, als Giselher gerufen wurde, um zu klären, ob Eondra als Diensthabender der Garde anzusehen wäre.

Giselher stand auf und lief im Raum auf und ab. Hätte er nur mehr Ruhe bewahrt, und sich nicht derart von seinen Knappen zur Weißglut bringen lassen. Eondra hatte gesagt, dass ihm das seltsam vorkäme, wo er doch Rekrut sei, woraufhin Giselher in kurzerhand zum Gardisten beförderte. Letztlich ein Schritt, den er ohnehin getan hätte, da Eondra inzwischen weit souveräner agierte, als manch eine Wache, die er sonst so kannte.

Und eben hier hatte sich der Seneschall gründlich getäuscht. Sein Knappe hatte die Beförderung nahezu verweigert und hatte seinem Herrn offenbart, welchen Stellenwert er diesen Aufgaben beimaß. Der Senschall erhöhte bei dem Gedanken das Tempo und knurrte abwechselnd Kamin und Schreibtisch an. Wäre es dabei geblieben, wäre ja alles in Ordnung gewesen. So aber verließ der Knappe gerade den Raum, als Gyoir Meroun ihn betrat und Giselher mitteilte, dass nun ein erneuter Übungskampf anstünde. Der Ritter verzog schmerzhaft das Gesicht als er daran dachte.

Der Kampf war heftig gewesen. Giselher hatte in jeden Schlag seine Wut gelegt und Gyroir hatte wohl damit nicht gerechnet, andernfalls, da war sich der Ritter sicher, wäre es kaum möglich gewesen, der Klinge derart zuzusetzen. Dies war also das rgebnis des Abends. Ein Knappe der keiner sein wollte und schon garnicht tun wollte, was Giselher als einen guten und richtigen Weg erachtete. Ein fähiger Mann, der nun einen gebrochenen Arm hatte.

Stithheafod, also Sturkopf – das war das Wort, das Giselher gelernt hatte. Und er gewann zunehmend den Eindruck, dass es auf Ritter und Knappe gleichermaßen zutraf.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.