Das siebte Kapitel

Es war durchaus ungewohnt, die Arbeit in der neuen Robe zu versehen und es war auch nicht zu übersehen, dass es andere ganz ähnlich sahen. Einer der Gardisten hatte kaum eine Regung gezeigt, aber der Seneschall war sich ziemlich sicher, dass der Mann allein aufgrund seiner langen Erfahrung  jede Regung verbergen konnte. 

Giselher war dennoch entschlossen, sein Auftreten als Seneschall ein wenig zu verändern. Es sah auf Dauer selbst für ihn lächerlich aus, wenn er im Kettenhemd und Wappenrock über die zumeist zu Papier gebrachten Angelegenheiten des Haushaltes entschied. Zudem gab es da nach wie vor dieses Buch. Inzwischen war der Ritter bei Kapitel sieben angelangt und darin wurde sehr ausufernd dargelegt, dass es sich für den Repräsentanten eines Herrn gehörte… Nunja, eben repräsentativ aufzutreten. Zumindest würde die Wache vor der Tür nun etwas zutun bekommen. sollte Giselher nämlich sein Schwert ziehen müssen, würde er vermutlich schlicht über seine eigene Robe stolpern. so richtig war er das Kleidungsstück noch nicht gewöhnt.

Bryanne allerdings hatte sich alle Mühe gegeben, dieses Kleidungsstück zu fertigen und Giselher fand, dass man das auch sehen konnte. Er war sich nicht sicher, ob er (abgesehen von seiner Rüstung) jemals etwas derart aufwändiges getragen hatte. seine Frau hatte viele Stunden mit den Arbeiten verbracht und das Gespräch im Amtszimmer hatte dem Ritter gezeigt, dass sie auf Dauer nicht glücklich sein würde. Zumindest, wenn sie dazu verurteilt bliebe, ihm hinterherzurennen, ein Kind zu hüten und sonst nichts zu tun.

Zeit ihres Lebens hatte Bryanne mit den Klingen verbracht, stand schließlich selbst im Waffenrock der Klingen ihre Wachen. Daran allerdings mochte Giselher garnicht denken. es war ihm unvorstellbar, dass er seine Frau, die baldige Mutter seines Kindes, an einer Tür Wache stehen ließe. schon garnicht an der des Fürsten oder gar an seiner eigenen. Die Idee, die ihm schließlich kam, fand er letztlich recht gut gangbar. Als Quartiermeister der Garde würde Bryanne wieder in Diensten der Garde stehen, müsste allerdings nicht den üblichen Wachdienst versehehen.

Cinlir hatte die Sache ein wenig anders gesehen. Er misstraute Bryanne in dieser Angelegenheit, da sie bereits einmal den Dienst in der Garde aufgegeben hatte. Giselher musste sich eingestehen, dass ihn das schmerzte. Er würde Cinlir wissentlich keinen Rat geben, der dem Haus Winthallan schaden würde, selbst wenn es darum ging, seiner eigenen Frau zu helfen. Letztlich entschied der Fürst sich für Bryanne und dies auf der Basis ihrer eigenen Erklärungen. Vielleicht war es das Beste so, denn Giselher wurde einen bitteren Beigeschmack nicht los.

Ähnlich erging es ihm in dieser Sache mit den seltsamen Verletzungen. Gwaethil litt an einer Krankheit, die Heridan Flusswieser an die Grenzen seiner Weisheit brachte. Cinlir litt unter einer, die inzwischen wohl wieder abklang. Die Jägerin Cyrah Stechdorn hatte ebenfalls diese Krankheit, inzwischen war sie davon weitgehend genesen. Es war der pure Zufall, dass der Seneschall diese Verbindung herstellen konnte. Die meisten waren darauf eingeschworen worden, nichts darüber verlauten zu lassen und so hatten sie geschwiegen. Cryah allerdings hatte zwar wenig gesagt, aber es hatte gereicht. Zumindest hatte er nach einigen Tagen herausgefunden, dass diese Krankheit nicht ansteckend war, solange man darauf verzichtete, in den Hügelgräbern herumzuirren. Offenbar waren Cinlir und Gwaethil gefolgt. Das würde dann auch die seltsame Mode der letzten tage erklären, beide hatten sorgsam ihren Hals verborgen.

Auch dies hatte für Giselher einen bitteren Beigeschmack. Es hatte Tage gekostet, herauszufinden ob für den Haushalt eine Gefahr bestand, ganz abgesehen davon dass sein Herr (und er wagte zu sagen, ebenfalls sein Freund) erkrankt war, Gwaethil es noch war und bei diesem zudem bisher keine Aussicht auf Heilung bestand. Wahrscheinlich hatte Cinlir seine Gründe weder seinen bruder im Geiste noch seinen Seneschall einzuweihen. Es fiel diesem nur ziemlich schwer, sie auch zu verstehen.

Alles im allen war es wohl die Nervosität, die langsam an Giselhers Nerven zerrte. In nur wenigen Wochen, eher Tagen, war die Niederkunft seiner Frau zu erwarten. Vielleicht nahm er deshalb die Dinge persönlich. Sein Versuch, seinem Amt die nötige Würde zu geben (Kap. 7) schien gescheitert… sein Versuch, seinem Herrn ein guter Seneschall zu sein und seinem Bruder im Geiste ein guter Ratgeber? Darin war er sich zur Zeit auch nicht mehr so sicher wie sonst…. Es wurde Zeit, den Schreibtisch für heute zu verlassen, oder zumindest wurde es Zeit, die Lektüre von vermeintlich hilfreichen Büchern zu unterlassen.

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