Der Ring des Nibelungen – Rheingold

Seit einigen Jahren trug ich mich mit dem Gedanken, mir irgendwann mal den gesamten Ring des Nibelungen anzusehen. Lange habe ich das dann allerdings gescheut. Man sagte mir, es sei zum einen eine überaus schwere, geradezu erschlagende Musik (wie das eben bei Wagner der Fall sei) zum anderen wäre der Stoff ja mindestens politisch-braun angefärbt, da Wagner nunmal ein Antisemit gewesen wäre. Dass er einer war, ist nicht abzustreiten. Allerdings stand er mit dieser kruden Ansicht im 19. Jh. kaum allein und kann deshalb wohl kaum als expliziter Wegbereiter des Nationalsozialismus gelten. Trotz all dieser Bedenken also, habe ich mich an vier Abenden für insgesamt etwa 16 Stunden in die Oper begeben.

Der erste Abend also, lapidar als ‚Vorabend‘ bezeichnet, bedeutete 2 1/2 Stunden Oper, gänzlich ohne Pause. Nach einem langen Arbeitstag empfand ich allein das schon als gewisse Herausforderung. Die Musik aber hat mich dann gänzlich entschädigt. Von Schwere keine Spur, ebenso wenig wurde ich von der Musik des Orchesters erschlagen. Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall gewesen. Ich bin nun in der Tat kein Musikkenner, aber selbst mir fiel auf, dass Wagner offenbar zahlreiche Themen verwendet, die immer wieder, manchmal beinahe nur in einer Andeutung, auftauchen. Dieser erste Eindruck sollte sich im Verlauf der folgenden Abende noch bestätigen.

Der Inhalt verlangt meiner bescheidenen Meinung nach nicht unbedingt 16 Stunden Oper, aber solche Arien wollen ja auch gesungen werden und offenkundig muss man der ausgemachten Dummheit der Götter (genauer der Wotans) Rechnung tragen. Man fragt sich ja wirklich mit Bangen, ob es Götter dieser Art geben kann: Wotan nämlich stellt fest, dass der Preis für das Erbauen seiner Burg Walhalla doch ein wenig hoch angesetzt wurde und ist nahezu irritiert, dass die Erbauer, zwei Riesen namens Fasolt und Fafner, auf Einhaltung des Vertrages bestehen. Seine Schwester gab der Gott dafür her. Im Verlauf der Abende wird klar, dass Wotan nicht eben ein großer Denker ist. So hat er auch hier nicht bedacht, dass die Dame Freia scheinbar die einzige ist, die weiß, wie man Äpfelbäume plegt. Freilich sind das Äpfel, die die Götter jung und am Leben erhalten. Im Gegensatz zu Wotan wissen Fasolt und Fafner um dieses kleine Detail, weshalb sie ja Freia haben wollen. Ganz nebenbei ist die Dame auch ausnehmend schön und begehrenswert, das sind aber wohl eher erfreuliche Nebenwirkungen, denn letztlich einigt man sich darauf, dass Wotan den Schatz der Rheintöchter an sich bringt, um ihm im Tausch für Freia den Brüdern zu übergeben. Moralisch ist das für Wotan einwandfrei. Der Schatz wurde ja bereits den Rheintöchtern gestohlen (von einem Zwerg namens Alberich, der nun der Herr der Nibelungen ist), also kann man ja dem Zwerg den Schatz stehlen und so den Tausch vollziehen.
Es gelingt letztlich, die Götter scheinen gerettet. Aber Wagner hat ja noch einiges in der Hinterhand und so kann man schon ahnen, dass man hier den Anfang vom Ende sah und eben auch hörte, denn die Themen des Rheingoldes begegneten mir immer wieder, sowohl inhaltlich als auch musikalisch.

Bühnenbildentwurf von 1876

1 Kommentar

  1. „Ich bin nun in der Tat kein Musikkenner, aber selbst mir fiel auf, dass Wagner offenbar zahlreiche Themen verwendet, die immer wieder, manchmal beinahe nur in einer Andeutung, auftauchen.“ <– jaha, so is das. Das ist auch das wesentliche, das ich als leicht gebildeter Musiklaie von Wagner weiß, dass er ein ganz wesentlicher Vertreter dieser Leitmotivtechnik ist, die ja für Film- und Spielmusik so wesentlich ist. Gerade für den Herrn der Ringe-Soundtrack zum Beispiel.

    Mir ist Wagner, vermute ich, auch zu viel. Vor allem kann ich ja meist das Gesinge nicht leiden, weshalb sich Oper für mich ja auch eigentlich ganz erledigt hat. Außer die Ouvertüren. Die mag ich meist.

    Und was das antisemitische angeht: Wagner war ein Drecksack, kann man, denk ich, ohne große Bedenken feststellen. Nur halte ich gerade Musik ohne Text für eher unideologisch. Die Debatte, wie viel ideologie auch in Orchestermusik stecken kann und ob nicht das Monumentale eines Wagner schon hindeutet auf nationalsozialistische Großmannssucht erscheint mir eher akademisch. Wenn man Orchestermusik (gerade monumentale) für politische Zwecke einsetzen will wird einen die Partitur daran nicht hindern. Muss man aber ja nicht tun. Und solange man als HörerIn weiß, dass die Musik da von einem Drecksack ist hat man, glaube ich, hinreichend politisches Hintergrundwissen, um sie sich anhören zu "dürfen".

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