Der Ring des Nibelungen – Götterdämmerung

Endlich ein Abend, bei dem man nicht darüber nachdenken musste, ob man es am nächsten Tag wieder früh aus dem Bett schafft. Ich konnte den letzten Abend allein aufgrund dieser Tatsache wesentlich entspannter angehen. Inhaltlich näherte sich die Geschichte endlich den literarischen Grundlagen, die ich auch kenne. Die Namen und Handlungen erinnerten mich nicht ohne Grund stark an das mittelhochdeutsche Nibelungenlied.

Wotan scheint aufgegeben zu haben. Endlich möchte man meinen, haben doch seine Handlungen stets Unglück über Menschen und Götter gebracht. Doch sein Nichthandeln ist nicht wesentlich besser. Wotan versinkt in Walhall in Selbstmitleid. Allein der Ring der Nibelungen (eigentlich ja der Ring der Rheintöchter, denn aus ihrem Gold wurde er einst geschaffen) kann das Übel abwenden. Die Rheintöchter wollen ihn nämlich wieder haben. Eine Schwester Brünhildes eilt zu ihr und bittet um den Ring. Brünhild sind die Götter allerdings inzwischen egal, sie hält den Ring als Liebespfand ihres Siegfrieds und will ihn keinesfalls hergeben.

Und Siegfried? Verzehrt er sich nach seiner Brünhild? Will er stets bei ihr sein? Weit gefehlt. Er ist ein junger Mann. Schlimmer noch: ein junger Held und ihn drängt es nach Taten. Also zieht er aus, sie zu vollbringen. Leider gerät er in die Fänge Hagens, der seinem Halbbruder und König Gunther gleich zwei Hochzeiten vorschlägt. Siegfried könnte Gunthers Schwester Gutrune heiraten und Gunther dann Brünhild. Der König findet die Idee gut. Siegfried wird kurzerhand unter Drogen gesetzt, die sein Erinnerungsvermögen blockieren. Er vergisst Brünhild gänzlich und zieht so ohne Bedenken aus, sie erneut zu freien, diesmal für seinen baldigen Schwager Gunther.

Brünhild ist sichtlich verwirrt, aber die Hochzeit mit Gunther findet statt. Die Untertanen werden herbeigerufen, das Ereignis gebührend zu feiern und endlich wird die Oper so, wie ich mir immer Wagner-Opern vorstellte. Die Bühne ist voller Darsteller, es gibt einen imposanten Chor und ich als Zuschauer kann vor Spannung kaum noch Atmen. Wagner wäre aber nicht Wagner, erinnerte er uns nicht gleich darauf wieder an die Misere der Geschichte. Hagen hat sein Ziel nämlich nicht aus den Augen verloren. Er will den Ring für sich, also muss Siegfried sterben. Der Plan sieht vor, dass Siegfried während einer Jagd einen Unfall erleidet. Sowas kommt vor, selbst ein Drachentöter mus mal scheitern und so wird sicherlich niemand Verdacht schöpfen.

Siegfried ist redselig während der Jagd. Etwas Wein und vor allem das Gegenmittel zu seiner Droge lassen ihn die Wahrheit berichten, also seine unsterblichen Liebe zu Brünhild. Aus höfischer Sicht ist das eine eher ungünstige Situation. Brünhild ist inzwischen ja Gunthers Frau und damit auch Siegfrieds Königin. Hagen hat das Recht auf seiner Seite, als er Siegfried wegen Meineids an seinem Herrn ersticht (er tut das sicherhaltshalber hinterrücks, man weiß ja nie wie die Rechtsauffassung Siegfrieds sein könnte).

Der Leichnam Siegfrieds wird aufgebahrt. Sowohl Gutrune als auch Brünhild, die noch immer Siegfried liebt, trauern. Der Tradition folgend übergibt sie Siegfried den Flammen und das Ende nimmt seinen Lauf. Das Feuer greift auf die Halle über, züngelt gar in die Welt der Götter und setzt Walhall ebenfalls in Flammen. Beide Welten werden vernichtet. Auch Hagen kann seinen Plan nicht vollenden. Denn die Rheintöchter nehmen den Ring endlich an sich und reinigen das Chaos mit dem Wasser des Rheins. Der Fluch scheint endlich gelöst, der Preis aber war sehr hoch. Er kostete den Göttern ihre Welt und und stürzte die Mächtigen der irdischen Welt in den Tod.

Man bleibt fast irritiert zurück. Vier Abende und nun ist es vorbei.
Ich muss sicher nicht jedes Jahr Wagner in derartiger Ballung haben, aber es hat sich gelohnt. Es war übrigens gut, dass ich so lange damit gewartet habe, den Ring zu sehen. Erstens kostet das Ganze ziemlich viel, immerhin sind es 4 Operabende zum vollen Preis. Zweitens aber, erfordert es schon einen gewissen Enthusiasmus, eine Woche beinahe jeden Abend zwischen 3 und 5 Stunden in der Oper zu sitzen. Die Musik aber war wunderbar. Keine Schwere, kein übermäßiger Pathos, dafür unfassbar viele Themen, die sich durch das gesamte Werk ziehen. Die Geschichte ist für mich übrigens nur äußerlich eine Geschichte von Helden und arisch-germanischen Göttern. Sieht man sich die Figur des Wotan an, kommt man eher zu dem Schluss, dass es gerade die Großen und Mächtigen sind, die über ihre Verfehlungen stolpern, Ränke schmieden und betrügen, um zum Ziel zu gelangen. Erschreckend modern.

Bühnenbildentwurf von 1876

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