Gerechtigkeit der Sith

Ich glaube, ich bin schon zu lange auf Voss, Schon zu lange unter dem Schutz des Hauses Calderis. Anders kann ich mir meinen Fehler nicht erklären. Ich hatte tatsächlich vergessen, dass es bei Sith nie um Gerechtigkeit geht, nur um Stärke, Der Stärkere bestimmt das Recht. In diesem Fall war das Lord Rahzeem und vielleicht war es auch notwendig, dass ich daran erinnert werde, dass ich ebenfalls ein Sith bin. Man kann hier wirklich die Lehren Korribans vergessen – das ist auf Dauer gefährlich. 

Im Grunde fing der Tag nicht schlecht an. Ich wollte mich gerade mit Raluka verziehen, als zunächst Luciene auftauchte und bald darauf auch ihr Meister Rahzeem. Er muss gehört haben, was ich über Treag zu sagen hatte, dem erschrockenem Gesichtsausdruck Ralukas nach jedenfalls. Es war vermutlich mein Glück, dass Lord Rahzeem in dieser Hinsicht meine Meinung teilt, denn er sagte, dass er strafen müsste, wenn er abfälliges über den Lord gehört hätte. Da er es nicht tat, hat er offenbar mehr als nur wohlwollend über meine Äußerungen hinweg gehört.

Er war scheinbar ohnehin guter Dinge und gab uns Schülern den Befehl, ein Ziel zu jagen, wer es dann zuerst mit dem Lichtschwert treffen würde, wäre von der folgenden Übung befreit. Vor wenigen Wochen noch hätte ich angenommen, dass das bedeutet, das Ziel zu stellen und im Zweifel gar zu töten. als er aber Hivi als Ziel nannte, konnte ich mir das nun wirklich nicht mehr vorstellen. Die Lords mögen sie, was auch kein Wunder ist. Ich glaube, Hivi würde nicht mal den Imperator selbst fürchten, wahrscheinlich würde sie ihm eher einen ihrer Schokoriegel anbieten.

Unser Ziel hieß also Hivi. Da hier nichts wie auf Korriban ist, ging ich ein Wagnis ein. Ich zog mein Lichtschwert, ließ es aber deaktiviert und ging auf Hivi zu. Luciene hatte eine ähnliche Idee und bereits Hivi an der Schulter berührt. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, denn Hivi litt nun, für den Lord sehr gut sichtbar, Schmerzen. Ich tat also dasselbe wie Luciene, allerdings mit dem Heft meines Lichtschwertes. Hivi gelang es tatsächlich, noch etwas verletzter zu wirken, ich sollte mich mit irgendwas aus Schokolade bei ihr bedanken.

Auf die Reaktion des Lords war ich nun gespannt. Denn wir hatten seine Befehle ja nun wirklich sehr großzügig ausgelegt. Er schien aber nichts anderes erwartet zu haben und sprach mir den Sieg zu. Ich war also von den Übungen befreit. Dachte ich.
Luciene ärgerte sich sichtlich über die Entscheidung des Lords und nannte mich einen Schummler. Der Lord wiederholte seinen Befehl, der nun einmal sagte, dass der Schlag mit dem Schwert zu erfolgen hätte und damit hätte es nun auch vorbei sein können. War es aber nicht, bei weitem nicht.

Raluka und Luciene sollten also Übungswaffen holen und sich dann an der Basis treffen. Luciene rauschte an uns vorbei und sagte nur, dass es ihr egal sei. Ihrem Meister konnten wir nur sagen, dass sie wohl Richtung Gleiter unterwegs war. Er kam nach kurzer Zeit ohne Luciene zurück und sagte uns, dass wir warten sollten. Seine Laune jedenfalls schwand, so wie sein leeres Whiskeyglas über den Rasen flog.

Da Luciene also nicht da war, musste ich ihren Platz einnehmen. Wir sollten einen Übungskampf machen, nur mit Schwertern. da wir an der Basis waren und Machteinsatz verboten war, hielt ich es eher für eine lockere Übung, also gingen wir auch nicht gerade aufeinander los. Das Ergebnis gefiel dem Lord nicht wirklich. Als schließlich Luciene dann doch noch auftauchte (sie hatte versehentlich Skyline angeflogen. Das hätte ich mal meinem Meister erzählen sollen, der hätte mich höchstwahrscheinlich durch die nächste Luftschleuse gejagt) sollte ich mit ihr den Kampf üben. Wieder mit Übungswaffen und ohne Machteinsatz.

Ich kämpfte also. Zumal Lord Rahzeem sehr deutlich gemacht hatte, was er davon halten würde, wenn ich diesen Kampf verlöre. Wie befohlen tat ich es ohne Einsatz der Macht. Luciene bediente sich der Macht, also abgesehen von der Notwendigkeit, dass sie durch sie sieht. Aber gut, auch das ist die Gerechtigkeit der Sith. Ein Verbot ist nur ein Verbot, wenn das Überschreiten auch eine Konsequenz bedeutet. Für Luciene bedeutete es keine Konsequenz. Ihr Meister hat sich den Kampf ohne jeden Kommentar angesehen. Sie war also die Klügere von uns beiden.

Lord Rahzeem hat das wohl ähnlich gesehen. Zwar konnte ich den Kampf (und das mit weit mehr Mühe als ich erwartet hätte) für mIch entscheiden, aber er war wieder nicht zufrieden mit mir. Ich habe mich geärgert. Über diese Ungerechtigkeit und über meine verdammte Unfähigkeit! Ich hasse es, so zu scheitern! Rahzeem fand unseren Kampf nicht angemessen, u d sagte, er habe eher eher einer Rauferei geglichen, womit er auch Recht hat.

In weiß gar nicht so recht, wem nun eigentlich mein Ärger galt. Mir, der ich mich aufgeführt habe, wie ein Akolyth im zweiten Jahr? Luciene, die scheinbar nicht ansatzweise auf die Idee kam, dass ihr respektloses Verhalten gegenüber dem Lord am Ende auf uns alle zurückfällt, selbst wenn es für sie kaum Folgen hat? Ich kann es nicht beantworten. In der Akademie war es absolut üblich, dass die Aufseher einige Akolyten bevorzugt behandelten. Im Grunde sollte ich also nicht überrascht sein, wenn es hier in gleicher Weise geschieht. Wahrscheinlich bin ich einfach verwundert, dass hier, wo alles so anders ist, als auf Korriban, eben doch einiges ist, wie immer.

Dazu gehört auch Lord Treag. Raluka ist nun seine Schülerin. Ich hoffe wirklich, dass dieser rote Banthadreck sie an einem Stück lässt. Bisher hat er das offenbar. Ein paar blaue Flecken, davon konnte ich mich überzeugen. Und eine neue Tätowierung, _davon_ konnte ich mich ebenfalls überzeugen. Es war am ein schlechter Tag aber kein schlechter Abend…

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