Eine Frage des Blutes

Treag knirschte förmlich mit den Zähnen, als sich das Schott hinter ihm schloss. Einen Augenblick dachte er daran, dass es vermutlich günstiger wäre, ein Quartier auf der Basis zu beziehen. Er verwarf den Gedanken augenblicklich wieder. Weder der Planet noch die Bewohner der Basis waren geeignet, um sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Der Sith hatte ohnedies den Eindruck, dass er entschieden zu weit mit den Belangen des Hauses verbunden war.

Darth Calderis, dessen war sich Treag sicher, hatte nicht im Sinn, Treags Karriere zu fördern, er verfolgte ganz eigene Zwecke. Vor allem nach dem Gespräch mit diesem Rattataki… Mit Lord Vastor fand er seine Vermutung bestätigt. Dieser unerträgliche Gedanke, dass schwache Völker auch nur ansatzweise in der Lage wären, die Interessen des Sth-Imperiums in irgendeiner Weise zu vertreten. Wie sollten sie auch. Es waren schwache Geschöpfe. Nach den Gesetzen der Galaxis zu Sklaverei und Gehorsam verdammt. Es war ein altes Gesetz, das die Grundfesten jeder Ordnung darstellte. Letztlich war es der Kodex, angewendet auf Völker, deren Angehörige immer wieder bewiesen hatten, dass ihre Art zurecht von den Sith dominiert wurde.

Vor diesem Hintergrund hätte es verwundern können, dass Darth Calderis beschlossen hatte, ausgerechnet Treag zu seinem ersten Lord zu erheben. Treag allerdings war keineswegs verwundert. Templar war nicht ohne Grund als Darth aus dem Niedergang des Hauses seines eigenen Meisters hervorgegangen. Ein leises Knurren begleitete die Gedanken des Lords. Ein Knurren, das seinen Sklaven veranlasste, schleunigst aus der Sichtweite des Sith zu gelangen. Nein, Templar verfolgte weitere Ziele, das war sicher. Die Begegnungen mit Lord Vastor waren sehr sicher kein Zufall, so wenig wie es ein Zufall war, dass Templar einen Reinblüter zum Lehrer seiner Schüler machte.

Treag wurde fast übel, wenn er nur daran dachte, was es bedeuten würde, den Gedanken Lord Vastors konsequent zuende zu führen. Hätte er nicht selbst ganz im Sinne der Liberalen gehandelt, wenn er die Herkunft seiner Schüler ignorierte, deren Stärke aber dafür umso mehr beachtete? Seine beste Schülerin wurde auf seinen Rat hin in den Rang eines Lords erhoben. Sie würde noch lernen müssen, vor allem lernen müssen, das Härte keine Grausamkeit, sondern das Recht des Stärkeren ist, stets genutzt zum Ruhm des Imperiums, zur Gerechtigkeit der Sith. Aber sie hatte unbestreitbar einen Weg hinter sich, der sie über die schwachen Geschöpfe um sich herum erhob. Raluka hatte sich aus den Niederungen der Sklaverei und den Unzulänglichkeiten eines mittelmäßigen Lebens erhoben. Sie war eine Sith, die das Wesen des Kodex zu verstehen begann.

Die Bedeutung für den Orden der Sith war immens. Ein Sklave ist ein Sklave, daran sollte sich nichts ändern. Die Grundfesten der Galaxis waren auf die simple Wahrheit begründet, dass jedes Wesen im Universum seinen festen Platz hat. Und doch hate seine eigene Schülerin sich aus diesen Niderungen erhoben, während ein anderer Schüler ein verabscheungswürdiges Abbild seiner selbst blieb, dem man vielleicht das Schockhalsband genommen hatte, der im Ganzen aber ein Sklave blieb. Maelor sollte sich hüten, auch nur in die Nähe des Lords zu geraten. Treag würde ihm seinen Platz zeigen, den er schon vor Jahren für Maelor vorgesehen hatte.

Zwei ähnliche Lebenswege und doch hatten beide eine derart unterschiedliche Entwicklung genommen, dass Treag davor den Blick kaum verbergen konnte. Schenkte man den Worten Lord Vastors auch nur ein wenig Aufmerksamkeit, drohte Treag von Übelkeit übermannt zu werden, so intensiv spürte er die Wahrheit die in dessen Worten steckte, so intensiv spürte er vor allem die bittere Erkenntnis, die sich ungewollt in ihm ausbreitete. Um den Weg der Sith zu erhalten, musste der Weg der Stärke gegangen werden. Stärke führt zu Macht. Und Macht war wahrlich vonnöten. Treag hatte gesehen, was auf Korriban passierte, er hatte erlebt, wie das Erbe seiner Ahnen, die Essenz ses Seins der Sith förmlich verraten wurde. Ein Umstand, der den Niedergang bedeuten konnte. Schwäche und verwässertes Blut würden das Ende des Ordens darstellen, dessen war sich Treag sicher.

Der Lord hatte inzwischen seinen eigene Raum erreicht. Im Halbdunkel nahm Treag eine Mediationshaltung ein und richtete seinen Blick auf einen Punkt in den Raum. Er hörte das leise Surren der Klimaanlage, blendete es aber bald aus. Stärke führt zu Macht. Die Macht erbringt stets den Sieg. Treag war ein Teil dieser Macht, er wusste es. Und er war entschlossen den Worten des Kodex zu fortwährender Wahrheit zu verhelfen, zum Ruhme des Imperiums.

Das Blut bestimmt den Wert – der Kodex bestimmt den Weg – Die Handlung führt zur Macht. Dieses Mantra wiederholte Treag immer und immer wieder, während er spürte, wie sich die dunkle Macht um ihn förmlich sammelte, wie er sie an sich zog und darin aufging. Er rührte sich äußerlich kaum, lediglich seine Augen blitzten kurz auf. Das Blut bestimmt den Wert – der Kodex bestimmt den Weg – Die Handlung führt zur Macht und – Stärke wahrt das Blut. Treag erhob sich und begab sich zur Konsole in seinen Raum.

Wenn dies die Traditionen des Blutes und den Kodex für die Zukunft bewahrt, würde er handeln. Was bedeuteten schon ein paar Adlige auf Alderaan. Das Imperium würde bekommen, was es wollte. Darth Calderis hatte Treag zum Lehrer über seine Schüler bestimmt und er hatte betont, dass es die Qualitäten seiner Art waren, die ihn dazu bewogen hatten. Lord Vastor hatte deutlich gesagt, dass es ihm um die Zukunft und die Macht der Sith ginge. Treag würde das prüfen. Wenn er Lord Vastor kennen würde, sein Umfeld und die übrigen Liberalen, dann würde er tun, wozu Darth Templar ihn holte und das nicht nur bei ein paar Schülern des Haushaltes. Er würde den wahren Weg der Sith, den Kodex lehren, sogar einen Twi’lek, wenn das der Preis war, solange dieser Twi’lek von ihm geprüft würde. Man konnte die Liberalen nicht frei gewähren lassen, es bedürfte reinen Blutes, damit sie nicht den Wert des reinen Blutes vergaßen!

Lord Treag drückte einen Knopf und knurrte dann einige Befehle in die Konsole. „Schafft mir Op. Takematsu her! Kontaktiert meine Schülerin, Lord Raluka! Und ich will wissen, ob Lord Vastor bereit ist, mir Rede und Antwort zu stehen. Ich will alles über ihn und seine Schülerin wissen. Diesselbe Anfrage macht ihr bei Darth Suryan Corvidae! Schülerin Eldira soll sich bereit halten. Darth Templar werde ich selbst fragen!“

„Ja, mein Lord“ war die einzige Antwort, die erhielt. Die einzige Antwort, die Treag bereit war zu hören…

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