Zukunftspläne

Als Treag das Schiff betrat, verneigte sich der Sklave ehrerbietig. Der Lord hatte unverkennbar schlechte Laune. Dafür musste man kein Machtbegabter sein. Eigentlich war es ohnedies nicht schwer, die Grundstimmung des Lords zu erschließen. Sie schwankte in der Regel zwischen ‚übel gelaunt, will aber nicht gestört werden‘ und ‚übel gelaunt, wird das auch jedem seiner Diener, der einen Fehltritt wagt, spüren lasen‘. Für einen Sklaven konnte das bedeuten, zu wissen ob man leben oder sehr qualvoll sterben wird. Der Sith fixierte den Sklaven aus Augen, die sehr viel Qualen verprachen und knurrte leise. Lurran spielte mit den Gedanken die Flucht anzutreten. Im Maschinenraum würde der Sith nicht nach ihm suchen, sollte Treag ihn brauchen, würde er das schnell genug spüren, denn es verstand sich von selbst, das der Sith nach Kauf des Sklaven das Schockhalsband nicht entfernt hatte, Lurran hatte den Verdacht, dass der Lord das ganz pragmatisch sah, so konnte er seinen Sklaven schnell überall an Bord finden. Und er würde sich hüten, dem Lord zu erklären, dass man das auch sehr einfach erreichen konnte, indem man schlicht eine Com-Einheit aktivierte und einen Befehl aussprach.

Treag beließ es beim Knurren und mit einem leisen Zischen schloss sich die Tür hinter ihm. Lurran beeilte sich, den Wein vorzubereiten. Als ihm die Tür zum Raum des Lords geöffnet wurde, war ihm klar, dass der Sith in einer besonders nachdenklichen Stimmung war, denn er spürte weder den Schmerz in seinem Nacken, noch bekam er einen Satz über das Gesetz des Stärkeren in der Galaxis zu hören. Möglichst lautlos stellte Lurran den Wein neben den Reinblüter und verzog sich dann in eine Ecke des Raumes. Treag griff nach dem Weinglas, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und begann mit der Aufzeichnung.

„Die Ziele werden deutlicher. Position im Haus muss erhalten bleiben, um diese zu erreichen. Darth Calderis wird meine Unterstützung erhalten. Er wollte reines Blut. Er wird es bekommen!“ Den letzten Satz knurrte Treag förmlich in die Konsole und für einen Augenblick hielt der Sklave den Atem an. „Variss. Weiterhin zu beobachten. Seinen Schüler werde ich zu nutzen wissen! Die Familie hat Potential. Die Schülerin hat Potential!“ Lurran sah erstaunt auf den Rücken des Sith. Kein Todesurteil?, keine Drohung? Langsam aber sicher zeichnete sich ab, dass heute einer der guten Tage sein könnte. Sein Herr schien seine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu widmen. Das nachfolgende förmliche Fauchen des Sith ließ aber Lurran wieder höchst aufmeksam seinen Herrn beobachten, auch wenn es offenbar einem Holoabbild seiner Schülerin galt.

„Reines Blut!“ fauchte der Sith das Abbild an, lehnte sich wieder zurück und nahm einen tiefen Schluck seines Weines. Das Bild verschwand und der Lord schien seinen Eintrag in gewohnter knurrender Weise fortzusetzen. „de Barra. Ich hatte mehr von Cyran erwartet. Er hat Talente, ohne Frage. Aber bisher zeigt er sich vor allem als Soldat, der über einige besondere Fähigkeiten verfügt. Wenn dem so ist, wird er zu absolutem Gehorsam gebracht, um dem Imperium vollends zu dienen. Gedanken an eine schwächliche, debattierende Republik sind unangebracht, werden gehandet werden!“

Der Sith leerte sein Glas und stellte es neben sich ab. “ ‚Ich erwarte, dass man sich bald vor Euch verbeugt, Lord Treag. Tief.‘ Lord Variss versteht es, deutlich zu motivieren. Ich werde dafür sorgen, dass er mit nachhaltigem Interesse meine Karriere verfolgt“. Der Sklave war sich nicht sicher, aber womöglich schwang in der Stimme seines Herrn eine gewisse Bewunderung mit. Auch wenn man einen solchen Tonfall hinter dem Knurren wirklich suchen musste.

Lurran hatte genug. Er füllte das Glas des Lords, verbeugte sich und verließ den Raum. In dieser Stimmung sollte man Lord Treag keinesfalls stören, erst recht nicht, wenn man kein Reinblut wahr…

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