Positionen

Treag atmete tief durch, dann begab er sich auf die Knie. Er brauchte länger als sonst, um zu seiner gewohnten Ruhe zu kommen. Der Zorn in seinem Inneren brodelte nur so und es gelang dem Sith erst nach einigen Minuten, dessen Mitte zu finden. Er fokussierte förmlich den intensivsten Punkt seines Zorns und richtete alles weitere daran aus. Zielstrebigkeit. Stärke. Effizienz. Er durfte diese Werte nicht aus den Augen verlieren. Nicht auf Voss und auch an keinem anderen Ort.

Die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Zu messen war das an seinen Schülern, darüber war sich Treag im Klaren. Raluka Calderis hatte ein Potential, das er ausgeschöpft hatte, so weit er es mit seinen eigenen Idealen, den Idealen eines Sith, vereinen konnte. Es war offenkundig, dass Lord Vastor geradezu eine Philosophie vertrat, die gefährlich den Ideen der Jedi glich. Vorerst war das zu tolerieren. Raluka hatte sehr deutlich gemacht, das sie Vastors Ideen nicht nur aufgeschlossen war, sondern sie auch vertrat. Folglich hatte er angeregt, dass Vastor diesen Aspekt von Ralukas Ausbildung übernahm.

Treag bewegte sich nur minimal und legte mit einer äußerst konzentrierten Bewegung sein Lichtschwert vor sich. Das Lichtschwert stellte die äußere Manifestation des Willens dar, war die Essenz eines konzentrierten Geistes, eines unbedingten Willens. Sein Blick verengte sich und langsam spürte Treag, dass ihm sein innerstes Wesen noch nicht gänzlich entglitten war.

Raluka stellte noch keine direkte Konkurrenz dar, würde es womöglich auch nicht sein, folgte sie der Philosphie ihres neuen Lehrers. Vorerst würde er das tolerieren. Er würde an Raluka selbst messen, ihr Verhalten ihm gegenüber, ihr Bestreben, seine Lehren anzunehmen oder für nicht mehr nötig zu erachten würden sein Indikator sein. Jedes Vorgehen erfolgt zielgerichtet, ohne Zweifel. Mitunter bedeutet das, eine Entwicklung zu beobachten, zu bewerten und dann in präziser Konsequenz zu handeln.

Zu einem ähnlichen Schritt hatte sich offenkundig auch sein Schüler Cyran de Barra entschlossen. War er in den ersten Wochen vor allem durch eine geradezu diffuse Einstellung aufgefallen, schien er nun langsam zu erschließen, was es bedeutet ein Sith zu sein. Was es bedeutet, eigene Stärke nicht nur in ein paar Formeln zu fassen, sondern auch in Überzeugung zu leben. Cyrans Demonstration seines Willens war ein richtiger Schritt.

Der Sith atmete einmal tief durch. Selbst die Andeutung eines Zweifels war Schwäche – seine eigene Schülerin hatte das erkannt. Hatte es gesehen und gehandelt.
Xaari Eldira Variss, dies musste Treag zugeben, hatte einen Anteil an den Entwicklungen. Ihr Vorgehen war gänzlich anders als das Treags, dabei aber nicht minder effektiv. Es war offenkundig, dass ihre Vergangenheit sie in hoher Geduld geschult hatte. Eldira agierte mit einer Präzision, die ihresgleichen suchte. Ihre Beobachtungsgabe und ihre klare Vermittlung schienen sogar einen schwachen Geist wie den Maelors daran zu erinnern, welche Pflichten mit den Fähigkeiten einher gehen.

Er verließ sich zunehmend auf Eldira, sehr wohl wissend, welches Risiko das barg. Das Blut aber musste gewahrt bleiben und so sah er eine Allianz die beiden Seiten diente. Sie beide näherten sich von den Leidenschaften des anderen, gewannen ihre Stärke daraus und würden so einander über andere erheben. Ein gemeinsamer Aufstieg, der bei einem Bruch in einem gemeinsamen Fall führen würde. Kein Sieg ist von Dauer, davon war Treag überzeugt, und jeder Sieg musste beständig neu erkämpft werden.

Langsam bewegte sich das Heft des Schwertes vom Boden. Zitterte einen Augenblick in der Luft, gleichsam getragen von einer Aura aus Zorn, Leidenschaft und Entschlossenheit. Schwäche war keine Option. Das Nachdenken über mögliche Fehleinschätzungen: Verschwendung. Es galt, eine Position zu erreichen, sie zu erhalten und sie schließlich neu zu definieren. Es gab keinen Blick nach hinten. Entschlossen stand der Sith auf und knurrte leise. Die Mediation hatte ihren Zweck erfüllt. Er griff das Lichtschwert aus der Luft und hängt es wieder an seinen Gürtel, zielstrebig ging er auf seine Räume zu, wo ein Soldat sich beeilte, Haltung anzunehmen …

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.