Schüler und Meister

Der Sklave wagte nicht, auch nur aufzusehen. Er war zwar erst seit wenigen Tagen in Besitz des Sith, man hatte ihn aber davor gewarnt, die Stimmungen seines Herrn zu ignorieren. Seit seiner Ankunft war das im Grunde stets dieselbe Stimmung. Irgendwo zwischen missmutig und übellaunig. Heute aber war es schlimmer. Lord Treags Gesicht sah aus, als wäre es aus Stein geschlagen, seine Augen leuchteten in einer Weise, die dem Sklaven kalten Schweiß auf die Stirn trieb. Der Sith hatte eine Schnittwunde, die sich quer über die Wange zog. Dann stimmten die Gerüchte also.

Einer der Soldaten hatte etwas von einem langen Gespräch zwischen dem Darth und seinem Ersten Lord erzählt und schon der kurz Blick auf den Sith, den der Sklave erhaschen konnte, ließ ihn wissen, dass der Begriff Gespräch selbst für Kategorien eines Sith ein Euphemismus war, der jeder Grundlage entbehrte.

Treag zog sich sofort in seinen Raum zurück. Er war in letzter Zeit seltener auf dem Schiff, heute aber schien er den Abstand zum Planeten zu suchen. Seinen Zorn nahm er mit sich und trug in noch in sich, als er sich mit bedachten Bewegungen auf die Knie ließ, um seine Meditationshaltung einzunehmen. Er hatte es herausgefordert, dessen war er sich bewusst. Treag kam nicht umhin, anzuerkennen, dass der Darth, nun sein Meister, vielleicht nicht so wirkte, aber doch über Kräfte und einen Willen verfügte, die sein sonstiges Auftreten nicht vermuten ließen.

Der Sith atmete tief durch, was in ein Zischen überging, als er den stechenden Schmerz spürte, den seine Rippen dabei verursachten. Er hieß diesen Schmerz willkommen, nahm ihn in sich auf und fügte ihn dem Gefühl zu, das diese Niederlage verursacht hatte. Der Darth hatte ihn nicht nur besiegt, er hatte ihn gedemütigt, ihn mehr als deutlich in seine Schranken verwiesen. Treag spürte den metallischen Geschmack im Mund, den er schon gespürt hatte, als sein damaliger Meister in vor Jahren nach Alderaan schickte. Darth Calderis hatte seinen Anspruch formuliert, seinem neuen Schüler aber zumindest die Möglichkeit gelassen, nicht wie irgendein beliebiger Handlanger in dessen Dienste einzutreten.

Treag verlangsamte seine Atmung, konzentrierte sich auf den Zorn, der allein von der Erinnerung, dass er vor Calderis hatte knien müssen und ihn ‚Meister‘ nennen musste genährt wurde. Dass sein Meister ihn in der Öffentlichkeit nicht als Schüler ansprechen würde, hatte er als Gnade formuliert. Der Sieg des Darth war vollständig. Wenigstens das gab eine gewisse Genugtuung. Treag hatte sich dem einzigen unterworfen, was Gültigkeit hatte, er hatte sich dem Willen des Stärkeren unterworfen.

Treag kniete inzwischen regungslos in der Mitte des Raumes. In seinen Augen spiegelte sich geradezu leuchtend seine Verbindung mit der dunklen Macht. Treag spürte es, erlangte daraus seine Kraft. Ein Niederlage muss ein Sieg werden, andernfalls ist sie eine Schwäche. Er würde sich an die Zurechtweisung erinnern, er würde von seinem Meister lernen, sich dessen Fähigkeiten zunutze machen, sich aus den Niederungen erheben.

Seine eigenen Schüler hatten sich daran gehalten. Cyran de Barra hatte eine Einschätzung geliefert, die treffend war und er hatte die Stirn besessen, sie nicht nur auszusprechen, sondern auch danach zu handeln. Treag würde von ihm erfahren, wie er diese Verbindung hergestellt hatte. Eldira Variss hatte ähnlich gehandelt und ähnlich gefühlt. Er spürte mit jedem Herzschlag das gemeinsame Blut, die gemeinsamen Werte und die gemeinsamen Ziele. Leidenschaften waren der Beginn allen Seins und des Sieges, dessen war sich Treag mehr bewusst als je zuvor…

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