Bestandsaufnahme

Wieder einmal durchmaß der Sith mit langen Schritten den Raum. Der Zabrak wagte es nicht, sich aus dem Halbdunkel der Tür zu lösen und so womöglich die Aufmerksamkeit des Reinblüters auf sich zu ziehen. Die Unruhe und der Zorn, der von dem Sith ausgingen, waren zunächst spürbar gewesen, jetzt war er immerhin ruhiger; er wirkte wie ein Tier, das sich auf zu engem Raum an seine verlorene Freiheit erinnerte.

Treag hatte den Sklaven durchaus bemerkt, befand aber, dass sein Leiden nichts an seinen eigenen Fehlern ändern würde. Zorn, das wusste der Sith, war eine Leidenschaft, die ihm Stärke verlieh und seine Entscheidungen zu Dogmen formte. Leidenschaft konnte einen aber auch fortreißen und im Eifer dazu führen, das Kalkül anderer als nicht beachtenswert abzutun.Der Sith knurrte leise, als ihm wieder einmal bewusst wurde, dass er um ein Haar die Kontrolle verloren hatte. Sein Meister, auch das musste Treag erkennen, kannte seinen Schüler gut und er wusste um die Schwächen Treags. Er hatte Darth Calderis nicht eingeweiht, oder nur soweit eingeweiht, wie er es für nötig hielt. Dass ein Dunkler Lord selbst Calderis über die Entwicklung informieren würde, hatte selbst Treag nicht erwartet.

Treag fixierte den Sklaven aus verengtem Blick, setze seinen unruhigen Weg aber bald wieder fort. Er würde seinen Meister vorerst expliziter in seine Pläne einweihen müssen. Die Seherin hatte recht behalten. Natürlich hat sie das! Sie genoss den Komfort, dass die meisten sie für halb wahnsinnig oder zumindest beunruhigend hielten. Narren, allesamt. Die Seherin war vor allem eine gute Beobachterin. Sie hatte diese unheilvolle Symbiose zwischen Darth und seinem Ersten Lord längst erkannt und auch Treag musste sie sich eingestehen. Sein eigener Aufstieg war daran gebunden, dass sein Meister ihn weiterhin als wichtig ansah und der Darth wiederum konnte vor allem deshalb seinen Namen Gewicht verleihen, weil Treag dafür sorgte.

Treag hielt inne und knurrte den Zabrak, der noch immer reglos an der Tür stand, an. Die Verluste galt es auszugleichen. Es dürfte nicht Thema werden, dass er derzeit seinen! Stabsofffizier vermisste und noch weit schlimmer: Sharnyal zum Verräter geworden war! Es konnte kein deutlicheres Zeichen von Schwäche geben. Ein Sith, der es nicht verstand, sein eigenes Gefolge zu dominieren beschrie förmlich, dass andere seine Schwäche nutzen würden, um sich aus der Belangloigkeit zu erheben. Letztlich half alles nichts. Um zu siegen würde es weit mehr benötigen, als ein paar Untersuchungen zu verheimlichen oder das Lichtschwert zu aktivieren. Um zu siegen, musste er die Ketten seines eigenen Willens sprengen.

„Geh und sage Darth Calderis, dass ich um eine Audienz bei ihm bitte! Du wirst das in exakt diesen Worten sagen!“ Der Zabrak verneigte sich, dann verließ er eilig den Raum.

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