Labrass‘ Verhör 2

Coruscant, Hochsicherheitsgefängnis XCZ-768, Zelle von TSP-121
Noch immer hat sich niemand die Mühe gemacht, die Zelle Labrass‘ wesentlich zu verändern. Weiterhin fehlt es an jedem visuellem Reiz und weiterhin ist der Raum von einer erdrückenden Ruhe geprägt. Irgendwo am Rande seiner Wahrnehmung kann der Sith vielleicht eine weitere Präsenz wahrnehmen. Ein mentales Äquivalent zur Ruhe der Zelle, eine enervierende Maifestation tiefer Ausgeglichenheit. Erst als die Kampdroiden ihre Systeme neu ausrichten und das schwere Schott sich bewegt, erhält Labrass Gelegenheit, seine Aufmerksamkeit auf anderes als die ewig selben Abläufe zu richten.

Die letzten Tage, Wochen … waren es Wochen? …, fordern bei dem Sith-Lord zusehends ihren Tribut und man sieht dem Gebaren der jüngeren Vergangenheit die Zwanghaftigkeit einer Seele an, die Souveränität für sich gepachtet hat. Denn als wäre es Trotz oder billiger Spott, so ist der Sith, bis auf wenige Ausnahmen in denen er zürnend auf und ab lief in seinem kleinen Käfig, erneut in einer nahezu jediesquen Meditationshaltung: auf den Knien sitzend, das Kinn gehoben, den Rücken durchgestreckt, die verketteten Hände auf den Oberschenkeln und die Augen vor der Welt verschlossen durch blasse umrandete Augenlider sowie durch fettige schwarze Strähnen des mittlerweile wenig adretten Haares verborgen.

So ruhig er aussieht inmitten dieser öden Umgebung, so sehr spürt man, wie die von Drogen und Gefangengenschaft gedrosselte Präsenz immernoch ein unterschwellig wütendes Feuer ist, das nicht verlöschen will. Nein, das geradezu forciert am Leben erhalten wird mit dem Blasebalg seines Willens. Auf das sich öffnende Schott reagiert Labrass nicht sichtbar, aber kurz schlägt das ‚Feuer‘ Funken.
Teriso betritt in der ihm eigenen Ruhe den Raum. Sein Blick wirkt ruhig, nachdenklich vielleicht, und wie zuvor wirkt seine Präsenz geradezu offen und scheint der Ursprung der Besonnenheit des Jedi zu sein.

„Seid gegrüßt, Lord Labrass.“ spricht der ältere Jedi und geht dann in einer gemessenen Geste in eine ganz ähnliche Haltung wie der Sith. Seine Hände ruhen sorgsam auf den Oberschenkeln.

„Meister Teriso. Was verschafft mir heute diese zweifelhafte Ehre?“, entgegnet der Sith bewusst langsam, schließlich raspeln seine Stimmbänder anfangs nur, mit Grabesstimme ohne die Augen zu öffnen wenngleich die Brauen eine Spur herabsinken.

Der ältere Jedi legt einen nachdenklichen Blick auf sein Gegenüber, erst dann antwortet eher mit ruhiger, sonorer Stimme: „Weiterhin bin ich hier, um zu lernen, Lord Labrass.“

„Leider bin ich nicht in der Laune zu lehren, Meister, oder was lehrt Euch meine Antwort?„, gewinnt die Stimme ein leises Grollen während sich das markante Kinn leicht vorschiebt.

Wieder betrachtet der Jedi den Sith, seine Gesichtszüge wirken beinahe entspannt, auch wenn seine Augen eine ganz eigene Lebendigkeit haben. „Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, Lord Labrass. Ihr seid derzeit nicht in der Lage, Eure Wünsche umzusetzen und es wird nur wenige Möglichkeiten geben, diesen Zustand zu ändern.“

Ihr kennt den einzigen Wunsch der jeden Gefangenen bewegt, Meister.“, fährt der Sith mit gleichbleibend tiefer Stimme fort und öffnet die Augen, um dem alten Jedi den stechenden Blick der korrumpierten Augen zu widmen. So weit es die Fesseln zulassen dreht er die Hände auf den Oberschenkeln mit den Handflächen nach oben und fügt an: „Vielleicht solltet ihr spezifischer sein, bei dem was Ihr lernen wollt, so unendlich Euer Wissensdurst sein mag, und die nötige Motivation schaffen.“

Der ältere Jedi lächelt beinahe väterlich, und weiterhin enervierend ruhig. Den Blick der korrumpierten Augen begegnet er sehr gefasst, offenbart dabei seinerseits eine Tiefe in seinem Blick, die an das tiefe Grün eines Sees erinnern mag. „Der Wunsch eines jeden Gefangenen ist stets der nach Freiheit und Selbstbestimmung. Für Euch indes ist dies bestenfalls der erste Schritt auf dem Weg in einen weiteren Kampf, Lord Labrass. Ich wage zu bezweifeln, dass Eure Taten von derart banalen Wünschen geprägt sind.“ Teriso macht eine kurze Pause und man könnte fast meinen, dass er den Faden des Gespräches verloren hat, dann aber fährt er mit gewohnt ruhiger Stimme fort: „Ich möchte von Euch und Euren Plänen hören, Lord Labrass. Von Euren eigentlichen Wünschen, Euren Weggefährten, Euren Feinden. Ich bin hier, um zuzuhören.“

„Freiheit ist Alles, soviel solltet Ihr von den Sith wissen.“, äußert der Sith mit kontinuerlich fester werdender Stimme die einen Hauch der Macht erahnen lässt, die jene unter anderen Umständen wohl zu entfesseln vermag und lässt durch einen geradezu symbolischen Ruck an seinen Ketten Metall sowie die eigenen Knochen knacken.

Was folgt ist ein kurzer Moment des Schweigens, der durch ein druckvolles Schnauben über geweitete Nasenflügel gebrochen wird: „Ein Verlangen mit dem Ihr nicht alleine dasteht.“, kommt es süffisant über die spröden Lippen die nun ein dünnes Lächeln formen. „Und Euer ‚Angebot‘ ist in dieser Lage wahrlich kein allzu guter Motivator, es ähnelt mehr der verschwiegenen Verheißung, die die Waffen meiner Zellengenossen ausdrücken.“

Der Jedi nickt bedächtig. „Ich fürchte, ihr missversteht die Situation, Lord Labrass. Welche Informationen auch immer ich suche, ich habe bisher nicht den Eindruck, dass ihr welche habt, die mich dazu verleiten würden, Euch Zugeständnisse zu machen. Womöglich fehlt es mir an Motivation, Euch darin entgegen zu kommen.“ Teriso wirft einen kurzen Blick auf die Hand, die in den Fesseln ruckt. Seine Stimme wirkt weiterhin ruhig: „Eure Freiheit ist das Einzige, was Euch leben lassen wird. Euer Sohn empfindet ganz ähnlich, sein Körper allerdings benötigt diese Freiheit noch weit mehr als der Eure.“

„Spart Euch diese billigen Spielchen. Selbst wenn Ihr nicht den Eindruck habt, dass ich über Informationen verfüge, die mir gegenüber Zugeständnisse …“, fährt er dem Jedi in der kurzen Pause direkt in die Parade und endlich entblößt die Zunge, welches Gift die Stimmbänder gewohnt sind zu transportieren – nur um dann plötzlich zu verstummen. Aber so leise der Lord auch sein mag, so deutlich sprechen die eng umrandeten korrumpierten Pupillen von der aufkeimenden oder eher stets präsenten Mordlust.

Der Jedi richtet einen abwartenden Blick auf den Sith, während er trief durchatmet und die Hände sorgsam auf den Oberschenkeln ausrichtet. Wenn es möglich ist, wirkt er noch ruhiger, noch mehr in sich ruhend.

„Wie ironisch, dass gerade Ihr mit Emotionen spielt, um Euer Ziel zu erreichen, Meister Jedi.“, kommt es klar und betont über sich langsam bewegende spröde Lippen die zusehends ein zwanghaftes Lächeln formen. „Oder seid Ihr so verblendet zu glauben, mehr mit der Erwähnung meines Sohnes zu erreichen? Als Druckmittel eignet sich das Leben des Burschen nicht.“, schnaubt er den letzten Teil geradezu abfällig aus, während er den Rücken durchstreckt und das Kinn zu einer vermeintlich erhabenen Geste, getrübt durch Kluft und Erschöpfungserscheinungen, anhebt. „Und selbst wenn Ihr nicht den Eindruck habt, dass meine Informationen Zugeständnisse wert sind, so beweist mein wacher Geist dass nicht jeder Eurer Meinung ist, Meister Teriso.“

„Sich Emotionen nicht zu unterwerfen, heißt nicht, dass ich sie nicht kennen würde, Lord Labrass.“, antwortet Teriso bedächtig. Der Blick des Jedi richtet sich nun direkt in die Augen des Sith. „Ihr solltet Euch mit dem Gedanken vertraut machen, dass es an mir liegen wird, wie wach Euer Geist ist. Den möglichen Tod Eures Sohnes als Druckmittel einzusetzen wäre in der Tat naiv, Lord Labrass. Ich vermute, dass wesentlich interessanter ist, wie er _leben_ wird.“

„Bitte, wenn Ihr mich beleidigen wollt müsst Ihr euch mehr anstrengen, Meister Teriso. Glaubt Ihr wirklich dass die Saat die meinem Fleisch und Blut innewohnt noch ein Leben fernab des Verlangens wie der Macht der Dunklen Seite verbringen kann? Habt Ihr nicht _mehr_ als den Nachweis meiner DNA in seinem Blut gefunden?“, wandelt sich die Haltung der Lippen zu einem verblendet selbstsicheren Lächeln während die Brauen spöttisch in die Höhe wandern. „Mein Fleisch, mein Erbe, dient nicht. Es herrscht … oder vergeht.“ Das Kinn rückt schnell etwas vor und lässt die Nackenwirbel des Sith knacken, die Augen verengen sich noch mehr, auch wenn der Blick für einige Momente nicht dem Jedi gilt sondern eine Spur rastlos wandert. Ein weiteres Schnauben beendet diesen Ausflug: „Ohne einen gültigen Vertrag, der meine Freilassung und Geleit in neutrales Gebiet garantiert, wenn ich … sagen wir mögliches Wissen um Stützpunkten, Defensiv und Offensivstratgie der Flotten um Centares offenbare, werdet Ihr wohl dafür sorgen müssen, dass mein Geist weniger wach ist. Natürlich ziehe ich in Betracht, dass der Vertrag nur eine Posse ist, aber dann sterbe ich mit einer Bestätigung um die vermeintlichen Prinzipien von Republik und Orden.“

Der ältere Jedi hört ruhig zu. Auch nachdem der Sith endet, schweigt er einen Augenblick, als bedächte er jedes einzelne Wort des Lords. Schließlich nickt er bedächtig und hebt dann zur Antwort an: „Wir haben mehr bei Eurem Sohn gefunden, Lord Labrass. Ich werde uns beiden ersparen, so zu tun, als wäre diese Erkenntnis für Euch oder mich neu. Ich versicherte ihm, dass ich Euch berichten würde, wie er es aufgefasst hat, als er erfuhr, dass ihr sein Vater seid. Ihr habt Recht, Euer Sohn ist durchdrungen vom Verlangen nach Macht und er wird die Phase erreichen, da sie alles bestimmend ist und den Gehorsam zu Euch überdecken wird.“

Ein kurzes Lächeln zeigt sich im Gesicht des Jedi, ohne, dass es die Augen erreichen würde: „Ich denke, es wird Zeit, dass Ihr den Tatsachen ins Auge blickt, Lord Labrass. Wie lange werdet ihr die Essenz Eurer selbst erhalten können“, er macht eine kurze Geste in den Raum, „in diesem Zustand?“

Und sei es nur aus Trotz, auch die folgende Bemerkung veranlasst den Sith nicht seine gerade Haltung und das erhaben gehobene Kinn aus ‚alter‘ Zeit aufzugeben. Umso mehr lässt er erneut die Augen für sich sprechen, ob bewusst oder unbewusst, und löchert Teriso neuerlich mit seinem stierenden Blick – gleich dem Versprechen einer losen Guillotine. Langsam schließt er die Augenlider und stößt eines seiner markant Schnauben aus. „Eure Versuche, mich mit meinen eigenen Dienern, Angst und Verzweiflung, zu manipulieren sind wahrlich gut. Langsam lerne ich Euch zu schätzen, Meister Jedi, und kann den Orden für seine Wahl nur beglückwünschen.“, ein geradezu abschätziges Schnalzen der Zunge folgt, die dann kurz darauf über die spröden Lippen leckt.

„Aber es bleiben _MEINE_“, braust die Stimme zu einem Donner hoch, während die Augen sich erzürnt wieder öffnen, „_MEINE DIENER_, also spart Euch die Farce!“ Nicht nur die Stimme erhebt sich, sondern auch das Feuer in der Brust der Sith schlägt Funken, bereit einen Waldbrand zu entfachen, und offenbart ultimativ, wie nah Teriso der Wahrheit ist, denn erneut sorgen Drogen, Fesseln sowie die Erschöpfung dafür, dass all die Macht dem Sith nur Schmerzen bereitet. So wird aus der Zornesröte ein verkrampftes Gesicht mit zuckenden Brauen und Mundwinkeln während die blauen Adern an Armen wie Hals stark pulsierend hervortreten als würden sie mehr ‚Lava‘ pumpen als ihnen lieb ist.

„Tut was Ihr wollt, wenn Ihr überhaupt wisst wie dieses Konzept funktioniert, Meister.“, würgt der Sith verkrampft aufgrund der Schmerzen über seine Lippen und man sieht förmlich wie er sich wehrt gegen den Impuls seines Rückens sich zu krümmen. „Wenn ich sterbe, sind wir alle unzufrieden. Wenn ich lebe, werdet Ihr und die Republik deutlich zufriedener sein.“, man hört die Zähne geradezu knirschen als er sie aufeinanderpresst und man hört förmlich, wie die Fingernägel sich in die eigenen Oberschenkel bohren. „Ohne einen Vertrag der meine Freiheit garantiert braucht Ihr nicht wiederzukehren!„, kommt es bestimmt grollend über verkrampfte Lippen während er mit der eigenen Wut ringt – sie niederzuwerfen.

Teriso schüttelt sacht den Kopf. „Ich werde wieder kommen, Lord Labrass. Die Frage wird wohl sein, wann das sein wird und wieviel Zeit Euch bleibt, Ihr selbst zu bleiben.“ Der Jedi verschränkt damit seine Arme in den Ärmeln der Kutte und schickt sich an, den Raum wieder zu verlassen.

„So lange Ihr lebt und mich mit Eurem Dasein reizt, werde ich mich nicht ändern. Nur der Tod bereitet mir ein Ende, Meister Teriso. Macht Euch nicht lächerlich indem Ihr glaubt mich, Lord Labrass, zu manipulieren.“, äußert der Sith gepresst, während Feuer und Schmerzen abklingen, er sich scheinbar erholt, zwischen zwei tiefen Atemzügen. Kinn und Blick folgen den Bewegungen des Jedi soweit wie möglich, ironischerweise wie ein Raubtier das seine Beute _aus_ einem Käfig begutachtet, bevor sie sich wieder der Wand widmet.

Der Jedi nickt schlicht, dann verlässt er den Raum. Das Zischen des sich schließenden Schotts ist das letzte Geräusch, das der sonst so reizarme Raum preisgibt. Die beiden Kampfdroiden nehmen wieder ihre schon bekannte Haltung ein, nur ein leises Surren verrät, dass die Kameras wieder sämtlich auf Labrass gerichtet werden.

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