Umschulung

Der Graf, ich sollte sagen: mein Herr, ist aufgebrochen, um in seiner Grafschaft Geschäftliches zu erledigen. Ich habe versucht, etwas darüber heraus zu bekommen, dennoch kann ich Dir bis jetzt nicht sagen, wo genau eigentlich dieses Misthaven liegt. Die Karten, die ich einsehen konnte, scheinen nicht genau genug zu sein, oder die Grafschaft nicht annährend so bedeutsam, wie ich zunächst vermutet hatte. Dabei ist das noch nicht das größte meiner Probleme.

Um meinen Eid gewissenhaft zu erfüllen, habe ich die Zeit und das von meinem Herrn zur Verfügung gestellte Silber genutzt, um mir jene Fertigkeiten anzueignen, die man von einem Diener, ohne nennenswerte Bewaffnung erwarten darf. Frag am besten nicht danach, Agrath! Die Sitten der Menschen sind ziemlich komplex. (Der alte Mann, der sie mich lehrte, scheint zudem völlig darin aufzugehen, Leuten die Kleidung in der richtigen Reihenfolge anzureichen.)

Sie haben für jeden Rang eine eigene Anrede, die aber auch davon abhängt, wer mit wem spricht. Überhaupt nimmt der Aspekt der Konversation einen erschreckend hohen Raum ein. Bereits beschlossene Verträge werden besprochen, ebenso Krieg und Frieden. Was es bei Krieg noch zu reden gäbe, erschließt sich mir nicht, aber offenbar sind sie sich nicht mal über ein Urteil der Götter einig. Ich würde mich nicht wundern, wenn mein Herr mit Malacath selbst einen Disput über den Nutzen von Schlagwaffen führen wurde. Graf Salas redet viel und offen gestanden bin ich mir nicht so sicher, was genau er eigentlich ist.

Zuletzt erreichte mich ein Brief von ihm. Mir wurde aufgetragen einen Farbius deLore aufzusuchen, einen fahrenden Ritter. Graf Salas denkt, dass der Mann ihm helfen kann. Leider sagte er nicht, in welcher Weise das geschehen soll. Ich habe deLore getroffen (natürlich betend vor einem Schrein) und lange mit ihm gesprochen: über Ehre, Würde und die Schwierigkeiten eines Eides. Er bot seine Hilfe an und ich habe ihm im Namen Salas’ Quartier und meine Dienste angeboten. Bleibt abzuwarten, was der Graf von ihm lernen will; bezeichnend dass er die Hilfe eines Mannes sucht, von dem er schreibt, dass er die Bedeutung des Titels „Ritter“ noch kenne. Wer weiß, vielleicht ist mein Herr im fernen Misthaven auf den Geschmack gekommen und will es mit wahrer Ritterschaft versuchen…

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