Liebster Award

Yeah! Ich bin (und das ist keine 3 Monate her!) von Golli getagt worden, die meine seltsame Liebe zu solchen Dingen kennt, und ich muss gestehen, dass ich ihre Fragen richtig schwierig finde, so viele Entscheidungen. Also gut, dann mal los:

Worauf bist Du 2016 besonders stolz gewesen?

Immer wenn ich das Jahr Revue passieren lasse, denke ich dass es ein eher frustrierendes Jahr war. Das liegt bei näherer Betrachtung aber vor allem daran, dass es durchzogen war von Meldungen über Krieg, Terror und dem Tode zahlreicher Personen des öffentlichen Lebens, die mehr oder weniger stark meine Jugend geprägt haben. Es hilft, einen Blick jenseits der Weltnachrichten zu riskieren.

Beruflich etwa kann ich das Jahr definitiv als Erfolg werten. Ich habe im Job eine Aufgabe gefunden, die mir zumeist Freude bereitet und von der ich glaube, dass ich sie mit meinen Fähigkeiten gut und zum Nutzen meiner Kollegen erfüllen kann. Das entsprechende Bewerbungsverfahren samt Probezeit habe ich 2016 endlich abgeschlossen.

Privat kann ich nicht wirklich von ’stolz‘ sprechen. Aber für mich zählt dennoch, dass ich mich nicht von der Traurigkeit einholen lasse, die zuweilen Rande meines Bewusstseins lauert. Spontan allein eine Woche in den Süden und ans Meer zu fahren, ging da für mich schon beinahe als Heldentat durch.

Was ist Deine liebste Beschäftigung, wenn Du Freizeit hast?

Eine dieser schwierigen Fragen. Das hängt sehr von der Grundstimmung ab. Meistens geht es darum, etwas zu tun, das man mit gutem Willen als kreativ oder zumindest produktionsorientiert bezeichnen könnte. Zeichnen wäre das oder, zur Zeit erstaunlich intensiv , diesen Roman schreiben, den ich erst seit 20 Jahren schreiben möchte.

Welchen Ort möchtest Du in Deinem Leben unbedingt noch (einmal?) sehen?

Es wird nicht einfacher! Ich möchte auf jeden Fall noch einmal in die USA und dann Washington und Boston besuchen, im besten Fall sehe ich dann noch die Unabhängigkeitserklärung von 1776.

Welcher Gegenstand an Dir / in Deiner Wohnung bedeutet Dir am meisten und warum? (Falls Du es beantworten magst)

Es handelt sich um ein Buch, das sich seit meiner Kindheit in meinem Besitz befindet. Der Autor ist mein Großvater, der ein Kinderbuch schrieb. Ich kannte ihn immer als einen sehr klugen und bedachten Mann. Es scheint aber, dass er auch ein überaus kreativer Mann war. So gibt es Fotoalben, in denen er liebevoll seine Bilder beschreibt. Ich las Gedichte, die eine wundervolle Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern beschreiben und eben dieses Kinderbuch. Immer wenn ich mich frage, woher mein beständiger Drang kommt, etwas Kreatives zu tun, denke ich an dieses Buch und jene Seite meines Großvaters, die ich zu seinen Lebzeiten leider nur erahnen konnte.

Welche historische Persönlichkeit würdest Du gerne einmal treffen und was würdest Du mit der Person gerne machen?

Das ist bestimmt eine Fangfrage. Ich frage mich, welche ich nicht sehen wollen würde.

Ganz oben auf meiner Liste stünde vielleicht Karl der Große. Er begleitet mich im Grunde seit meinen ersten Studientagen. Ihm gelang es, ein gentilgeprägtes Königreich in etwas umzuwandeln, das nach damaligen Maßstäben sehr innovativ war: nämlich ein größeres Gebiet auf der Basis von Kultur und Gesetzen zu vereinen. Er war zudem ein Förderer von Bildung, was dazu führte, dass an seinem Hof die größten Künstler ihrer Zeit aber auch Wissenschaftler ein Auskommen fanden. Auf der anderen Seite setzte er seine Idee eines Imperiums mit beispielloser Gewalt um. So waren es am Ende 30 Jahre voller Kriege und Grausamkeiten, die es brauchte, etwa die Sachsen dem Fränkischen Reich einzuverleiben. Wir wissen denkbar wenig über die Person Karls des Großen. Was hat ihn angetrieben? Wie konnte sich diese deutliche Ambivalenz seiner Herrschaft herausbilden? Wen liebte er, wen hasste er? Oder waren es seine Berater, die seine Politik bestimmten?

Ich würde also ein privates Gespräch mit ihm führen wollen, ohne Berater und vorzugsweise im Aachen des 9. Jahrhunderts. Es heißt, es gab dort Thermalquellen, wenn ich schon mal da wäre, könnte ich danach noch gut ein warmes Bad genießen.

Was ist Dein allerliebstes Lieblingsessen of the world?

Wieder eine schwere Frage. Ich würde einiges für ein gutes Steak hergeben oder einfach frisches Brot mit Olivenöl. Denke ich an meine Kindheit, sind es zwei Gerichte, die sich Platz Eins teilen: Lasagne und Spaghetti Bolognese. Bis heute ist es so, dass ich es kaum erwarten kann, dass das Essen auf dem Tisch steht, sobald ich weiß, dass mich eines von beiden erwartet. Diese Vorfreude hatte ich im Alter von neun Jahren und ich habe sie auch heute noch. Unvermindert.

Hast Du ein Lieblingsmusikstück?

Darüber musste ich eine ganze Weile nachdenken. Es gibt einige Musikstücke, die mir zu bestimmten Zeiten wichtig waren, weil ich sie sie mit einer bestimmten Erinnerung oder Person verbinde. Denke ich aber an Musik, bei der allein die Töne etwas in mir bewegen, bleibt bei klassische Musik übrig.

Mozarts Requiem habe ich das erste mal gehört, als ich den Film Amadeus sah. Seither hat mich die Musik nie losgelassen. Ich höre das Requiem immer wieder gern und jedesmal reißt mich die Musik förmlich mit. Spätestens ab dem Rex tremdae halte ich mit jeder Tätigkeit inne und versinke vollständig darin. Ich könnte nicht sagen, was genau ich an diesem Requiem liebe. Zuweilen treibt einen der Chor gleichsam voran, während die Streicher daran erinnern, dass dies immer noch ein Requiem ist. An anderer Stelle ist die Musik getragen, voller bitterer Tiefe, bis es fast nicht mehr zu ertragen ist. Dann setzen die Streicher behutsam ein, während der Sopran zu immer mehr Kraft findet und ich mich schäme, weil mir die Tränen kommen … ich kann es tatsächlich nicht beschreiben. Dafür habe ich eine Interpretation gefunden, die sich wirklich lohnt anzuhören:

Was ist Deine liebenswürdigste Macke?

Irgendwie habe ich bisher Macken damit verbundenen, dass sie in der Hauptsache andere Menschen nerven, aber wer weiß. Am ehesten könnte ich mir noch meine seltsame Liebe zu sortierten Dingen vorstellen. Ich bin gleich entspannter, wenn ich etwas sortiert habe. Das können ToDo-Listen sein, Bücher in Regalen oder eine Schublade mit Nähgarn. Der Vorteil besteht eindeutig darin, dass vermeintliches Chaos eine Struktur erhält. Im günstigsten Falle gelingt es mir so, eine vormals kompliziert erscheinende Lebenssituation in überschaubare Lösungsansätze aufzubrechen.

So betrachtet wäre das weniger eine liebenswürdige als viel mehr eine praktische Macke.

Kannst Du Komplimente annehmen?

Meistens nicht. Ich habe Jahre gebraucht, um bei einem freundlich erwähnten „Der neue Rock steht Dir“ nicht gleich zu vermuten, dass das bestimmt nur gesagt wird, weil der Rest schrecklich aussieht. Jedes Mal, wenn ich mich dann einfach nur für das Kompliment bedanke, betrachte ich das als persönlichen Erfolg.

Richtig schwer wird es dann aber bei den großen Sachen. Wenn Menschen in mir eine Schönheit entdecken, die mir so gar nicht ersichtlich ist oder sie eine Klugheit benennen, die ich dann zumeist für nichts als angelesenes Halbwissen halte, wiegele dann in der Regel ab.

Tee oder Kaffee?

Tee! In fast allen Lebenslagen ist eine Tasse Tee das beste Argument, einer stressigen Situation zu entkommen. Jeder akzeptiert, dass Tee Zeit braucht. Mit einem Coffee to go oder einem Espresso wirkt man immer so hektisch-produktiv, diese Gefahr besteht bei einem Tee nicht.

Wenn Dir eine Wimper ausfällt oder Du eine Pusteblume findest, wünscht Du Dir dann etwas während Du sie wegpustest?

Ja. Allerdings kann ich nicht sagen, was ich mir dann wünsche. Leute, die Wimpern mit Wünschen in die Luft entsenden, sind auch überzeugt, dass man den Wunsch nicht verraten darf, weil er sonst nicht in Erfüllung gehen wird.

Für goldcrestblog und interessierte Schreibende

goldcresblog lese ich schon lange nehr oder weniger heimlich. Sie zeichnet immer wieder ganz bezaubernde Dinge und scheut sich nicht, sich immer wieder neu auszuprobieren. Ganz im Sinne von „discover new blogs!“ nominiere ich also sie.

  1. 2016, Welchen Meilenstein hast Du erreicht?
  2. Wenn Du kreativ bist, was sind deine Drei bevorzugten Medien/Materialien?
  3. Welches Buch hat Dich am meisten geprägt?
  4. Welche oder wessen Geschichte sollte unbedingt noch erzählt (oder gezeichnet, getanzt, gestrickt…) werden?
  5. Wenn Du wählen müssest: Wald, Berge oder Meer?
  6. Gibt es einen Geschmack der Dich an Deine Kindheit erinnert?
  7. Was wäre (oder ist) Deine Superheldenfähigkeit?
  8. Welche Rolle würdest Du gerne einmal im Rollenspiel (live, Pen&Paper oder online) verkörpern?
  9. Welcher Ort ist dein persönlicher Rückzugsort, der Platz an dem Du dich wohl fühlst und wie muss ein Ort beschaffen sein, damit er dazu werden kann? (Es ist völlig ok, wenn auch Zombieapokalypsen berücksichtigt werden)
  10. Der Charakter in Film, Buch, Spiel, der dich am meisten beeindruckt hat?
  11. 2017, was ist der nächste Meilenstein?

6 Kommentare

  1. Wow, liebe Birgit, ich bin wirklich geplättet! Vielen Dank für diese Nominierung, Ich fühle mich sehr geehrt und habe mich richtig gefreut!!!

    Ich werde mich am Wochenende bemühen, die Fragen zu beantworten 🙂 Dein Interview mit Golli habe ich auch gern gelesen! Besonders die Geschichte mit dem Buch Deines Großvaters und Deine Ausführungen zu Karl dem Großen haben mich beeindruckt.

    Ganz liebe Grüße
    Alex

  2. Wollte nur nochmal kurz durchgeben, dass ich den Award nicht vergessen habe und mich immer noch sehr darüber freue. Habe angefangen, die Fragen zu beantworten und hoffe, dass ich bald damit fertig werde … Ganz liebe Grüße!

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