Lucilla

Vor dem Seelenbruch

Ich bin nicht sicher, ob ich erfüllen kann, was die Familie von mir erwartet. Ich bin ebenso wenig sicher, ob wir ausgerechnet in Hammerfell Verbündete suchen sollten. Die Familie at-Rihad ist eine alte Sippe hat man mir gesagt. Und offenbar benötigt sie, wie so viele alte Familien, Geld. Ich werde meiner Pflicht nachkommen. Denn eines ist sicher: der Kaiser ist einem Einfluss ausgesetzt, dessen Folgen kaum abzusehen sind. Insbesondere seine Berater scheinen unheilvolle Ideen zu entwickeln. Niemand traut Mannimarco und die Familie Tharn ist seit jeher derart eng mit der Macht verflochten, dass der Kaiser im Grunde nur die Marionette der Tharns zu sein scheint.

Ankunft in Sentinel

Im Vergleich zu Bravil ist Sentinel pulsierendes Leben. Die Stadt ist voller Gerüche, voller Leben, voller Farben. Und es sie ist heiß. So schön und aufregend Sentinal auch ist: selbst nach zwei Jahren bin stets froh, wenn ich die Stadt verlassen und wieder auf den Landsitz zurückkehren kann.

Als ich an jenem Morgen des Jahres 577 in Sentinel ankam, empfing mich Sahin at-Rihad selbst. Ich gestehe, ich war nervös, wusste ich doch wenig über die Kultur oder das, was mich erwarten würde. Ja, ich hatte Bücher gelesen, aber die Eigenarten der Alik’r und ihrer Bewohner fürchtete ich, würden mir verschlossen bleiben. aus der Heimat brachte ich vor allem eine reiche Mitgift, was meinen zukünftigen Gatten besänftigen würde, wie ich hoffte.

Sahin hatte zumindest den Anstand, nicht zuerst die Truhen zu betrachten, die enthielten, was seine Sippe so sehr begehrte. Stattdessen begrüßte er mich freundlich und hieß mich in seiner Heimat willkommen. Es war sicher keine wilde Liebe, die uns verband, aber das war weder gefordert noch notwendig für das Bündnis, das wie beide eingingen.

Wo Sahin mich so freundlich aufnahm, wie er nur konnte, war seine Familie das glatte Gegenteil. Ich war und ich blieb bis zuletzt eine Fremde, eine Imperiale, die weder Ahnen noch Sitten achtete, ganz gleich was ich unternahm. Solange Sahin und ich zusammen waren, war das kein Problem. Was interessierten mich die Schwestern und Tanten Sahins, sie waren weit weg, während Sahin oft genug in Sentinal zutun hatte. Er suchte stets die Nähe des Königshofes und er verehrte König Fahara’jad aufs Tiefste.

Mein Gatte ließ mir die Freiheiten, die ich erbat. In dieser Hinsicht ist die Kultur der Redguards ein Segen

nach dem Seelenbruch

Am Ende hatte Vater recht, es war klug, das Land zu verlassen und es wird noch klüger sein, es vorerst nicht zu betreten. Niemand weiß, wo Kaiser Varen Aquilarios ist. Der letzte Brief, den ich aus Bravil erhielt, war furchteinflößend. Das Land ist in Chaos verfallen. Die Hauptstadt selbst und das gesamte Land sind im Krieg versunken, von dem Unaussprechlichen, das die Welt heimsucht ganz abgesehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Familie Tharn einen nicht unerheblichen Anteil an diesem Elend hat.

Die Familie in Cyrodiil ist in alle Winde zerstreut. Der letzte Brief Vaters warnte uns auch davor, nach Cyrodiil, oder gar Imperial City, zurückzukehren. Kaiserin Clivia Tharn sitzt auf den Thron und zu ihren engsten Beratern gehört ausgerechnet ihr Vater Abnur Tharn. Die Neun mögen uns beistehen!

At-Rihad

Sahin macht mir weder meine Herkunft noch meine Unkenntnis der Sitten zum Vorwurf. Das einzige, was er wünscht ist, dass ich seinen König nicht in Misskredit bringe. Es ist nicht zu viel verlangt. In der Folge unterstützt er auch das Bündnis um Daggerfall und Großkönig Emeric. Eine der Schwestern des Königs ist mit ihm verheiratet, woraus der treue Sahin schließt, dass Emeric zu unterstützen ist. Ganz so einfach stellt sich die Situation indes nicht dar. Emeric ist nicht der Einzige, der um den Rubinthron kämpft. Ich habe versucht, mit Sahin darüber zu sprechen, aber seine Entscheidung ist gefallen.

Seit zwei Tagen redet Sahin von nichts anderem mehr als der Einladung Lord Sargon Hashut Al’Jaffars. Ich habe ihn selten so aufgeregt gesehen. Kein Wunder, die Jahre der Arbeit scheinen sich für ihn auszuzahlen. Er wird einem Fest beiwohnen, das zu Ehren Königs Fahara’jads ausgerichtet wird und er gehört zu den persönlich geladenen Gästen. Sein Glück scheint vollkommen. Ich selbst werde nicht daran teilnehmen und ich bin nicht undankbar. Ich unternehme eine Reise zum Landgut und sehe dort nach dem Rechten. Bei all seiner Vorfreude neigt Sahin doch manches mal dazu, die wirtschaftlichen Aspekte außer acht zum lassen. Er wird Gold benötigen, wenn er in den Rängen des Hofes aufsteigen will. Das ist in Cyrodiil nicht anders als in Hammerfell.

Entwurzelt

Ich kam zu spät. Sentinel war nicht mehr der der lebendige Ort, der es einst war. Der Tod liegt in der Luft, Menschen sind auf der Flucht und die Angst ist fast greifbar. Die Bewohner Hammerfells ehren ihre Ahnen zutiefst und es erschüttert sie, wenn dieselben sich nun gegen sie wenden. Die Untoten konnten fast ungehindert über das Gefolge des Königs herfallen, bis einige Mutige sich trotz aller Ehrfurcht den Ahnen stellten. Mein Gatte bezahlte diese Begegnung mit dem Leben. Ich habe nicht realisiert, was das für meine Zukunft bedeuten würde. Die Familie meines Mannes hat mich sehr schnell daran erinnert.

Nach nur wenigen Tagen erreichte mich ein Bote von Adiza at-Rahid. Allein das alarmierte mich. Normalerweise hat meine Schwägerin davon abgesehen, mehr als nur den nötigsten Kontakt zu mir zu pflegen. Der Brief war denkbar knapp. Ich wurde informiert, dass ich die Frau Sahins war, aber keinesfalls ein Mitglied der Sippe at-Rahid. In einem Land wie diesem bedeutet das alles. Ich bin nun ohne Land und ohne Familie… dafür habe ich eine Feindin, die verhindern wird, dass ich das Erbe meines Mannes antreten kann.

Flucht

Ich hatte nicht viel Zeit, über meine Optionen nachzudenken. Cyrodiil bleibt weiterhin keine Option. Es heißt, dass Kaiserin Clivia mit eiserner Hand regiert. Ich bin sicher, sie hat nicht vergessen, welche Namen zu ihren Feinden zählen. Hammerfell, zumindest die Orte an die ich gehen könnte, ist ebenfalls keine Option mehr. Zumal seit dem Angriff auf den König die Stimmung bestenfalls als von Misstrauen geprägt werden kann. Ich folgte schließlich den wenigen Gerüchten – mehr oder weniger ins Ungewisse.

Es heißt, dass König Fahara’jad Gesandte nach Glenumbra schickte, es heißt auch, dass darunter ein at-Latif wäre. Meine vage Hoffnung ist, dass der Name meines Mannes mir bei ihm ein offenes Ohr verschaffen wird. Vielleicht kann ich auf diese Weise das Erbe Sahins wahren. Den König selbst wage ich nicht aufzusuchen, ich gehe davon aus, dass Adiza jeden ihrer Kontakte in der Nähe des Königs informiert hat.

Meine Suche war verzweifelt genug. Ich habe einen Krieger namens Sangarunya Dagan angeheuert. Offenbar scheint er ebenso dringend wie ich die Gegend verlassen zu wollen, also scheint es ein zweckmäßige Bündnis zu werden …

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