Ankunft in Glenumbra

Mein Begleiter Sangarunya hat während unserer Reise wieder und wieder dasselbe Gebet gesprochen, nahezu jeden Abend:

Hoher Arkay,/ Meister des Zirkels von Tod und Leben, / Dein niederster Diener bittet Dich,/ Nimm die Seelen seiner Sippe zu dir, / Auf dass sie Dir in Deinem Reich dienen mögen, / Wie sie vordem dem Land und dem König gedient haben. / Wie Dein Diener die geehrten Toten: / Sargon Hashut Al’Jaffar, / Anahita Shuraia Hashut, / Nazanin Besmeri, / Und Feruzeh Shirani / Hier unten auf Nirn nicht in Vergessenheit fallen lassen wird, / So bittet er Dich, / Sie allzeit durch Deine Nähe das göttliche Glück spüren zu lassen, / Welches die Menschen ihnen verweigerten. / Dein unterwürfiger Diener Sadat gelobt, auf immerdar Deine Gebote zu ehren Und zu beachten. / Deine Ehre zu verteidigen und den falschen Auswurf der Niederhöllen zu Bekämpfen. / So Du ihn rufst, wird er zu Dir kommen und sich zu Deinen Füßen werfen, um Dein gerechtes Urteil über ihn zu empfangen. / So spreche ich, Sadat Hashut Al’Babar, dessen Namen nur noch der Wind der Wüste und die Hyänen singen.

Ich konnte nur ahnen, welchen Kummer diesen Mann plagt. Der Name Sargon Hashut Al’Jaffar allerdings… es ist derselbe Name, der auf der Einladung zu jenem unheilvollen Fest stand, dessen Teilnahme mein Mann mit dem Leben bezahlte.

Erst mit der Ankunft in Glenumbra und damit einhergehend einer gewissen Sicherheit ergab sich die Gelegenheit, mehr über den Krieger zu erfahren, mit dem ich nun schon seit einigen Wochen auf Reisen bin. In all der Zeit hat er wenig von sich preisgegeben, sieht man von den abendlichen Gebeten ab. Er war stets äußerst höflich und geradezu darauf bedacht, stets die Form zu wahren.

Als ich ihn auf das Gebet und insbesondere auf den dort genannten Namen ansprach, zögerte er nicht, mir die Wahrheit über seine Herkunft zu verraten. Ich reiste also über Wochen mit dem Oberhaupt einer der angesehensten Familien von Hammerfell. Oder eher: der ehemals angesehensten Familien Hammerfells, denn seiner Familie wird die Schuld an dem Angriff auf den Hofstaat des Königs gegeben. Nach den Traditionen des Landes war er für das Wohl seiner Gäste verantwortlich und scheiterte darin. Ich muss gestehen, dass ich diese Form der Selbstaufopferung nur bedingt verstehen kann. Immerhin war er zum Zeitpunkt der Tragödie weder in der Nähe, noch konnte er ahnen, welches Schicksal seinen Vater ereilen würde.

Aber es scheint, dass die Kinder der Alik’r wenig von Gnade oder menschlichem Verständnis halten, zumindest wenn eines davon ihre hoch geschätzten Ahnen und Traditionen gefährden.

Ich bin umso erleichterter, dass ich hier auf eine Angehörige der Redguard getroffen bin, die offenbar am eigenen Leib erfahren hat, wie es ist, in der Fremde zu stranden. Entgegen der sonstigen Erfahrungen, die ich mit Angehörigen ihres Volkes in der letzten Zeit machte, war sie mir sehr zugewandt und versprach, Kontakt mit dem König aufzunehmen, um meinen Status gegenüber meiner … meiner ehemaligen Sippe sollte ich sagen, zu klären. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, wie die Güte und das Wesen eines Mannes wie Sahin mit seinem Tode dahingehen.

Es scheint mir am Sinnvollsten, vorerst in Glenumbra zu bleiben und ich sehe auch nicht, dass sich das in nächster Zeit ändern wird. Solange ich noch über meine Einkünfte verfüge, sollte ich sie nutzen, also habe ich Sagarunya gebeten, sich nach einem geeigneten Haus umzusehen. Er bestand zudem darauf, dass ich ’standesgemäß‘ zu leben hätte und legte mir nahe, auch Diener einzustellen. Ich wage gar nicht, ihm zu sagen, dass weder in Cyrodiil noch in Hammerfell mein Stand sonderlich hoch wäre. Er hat sich darauf verlegt, meinen nicht vorhandenen Status zu wahren. Vielleicht ist das seine Art, mit den Ereignissen zurechtzukommen. Vielleicht ist es seine Art, Buße zu tun. Wenn dies sein Weg ist, möchte ich dem nicht im Wege stehen; ich hoffe nur, er wird nicht zu enttäuscht sein, wenn er herausfindet, wem er seine Dienste versprach.

Die Suche nach einem Haus gestaltete sich weniger kompliziert als erwartet. Offenbar führte Sangarunya mehr oder weniger der Zufall zu einem Verkaufsangebot, dass erst wenige Stunden zuvor gemacht wurde. Seine Informationsquelle steht nun in meinen Diensten. Allerdings weiß ich nicht, ob Aishe, wie sie genannt wird, nicht eher auf Piratenschiff gehörte, als in den Wirtschaftsbereich eines Haushaltes. Kleidung und Bewaffnung lassen es zumindest vermuten. Ebenfalls in meinen Diensten seht nun ein Dunmer, dessen Geschichte bestenfalls als rätselhaft zu bezeichnen ist. Offenbar war er Sklave, oder im Begriff einer zu werden, bevor sein Schiff aufgebracht wurde. Er zeigte sich überschwänglich dankbar, wenn ich das richtig verstanden habe. Es scheint, dass er die gemeinsame Sprache noch nicht lange spricht. Dafür hantiert er umso lieber mit Zahlen und so verfügte ich schon über eine Inventur des Hauses, noch bevor ich es betreten hatte.

Ich freue mich darauf, die Güte des Grafen vergelten zu können, wenn ich mich seiner Tochter annehme. Auch wenn ich ob seines Hinweises alarmiert bin. Es scheint, dass das Mädchen vor einiger Zeit eine Lehrerin hatte, die tiefe Spuren in der Seele des Kindes hinterlassen hat. Ohne, dass ich in dieser Hinsicht Fragen gestellt hatte, wurde ich auf diesen Umstand hingewiesen und gleichzeitig angewiesen, jene Episode nicht zu erwähnen.

Es bleibt also, das Land und seine Gebräuche kennenzulernen. Ich freue mich auf Beides, wird es doch bedeuten, einen fremden Ort zu einer Heimstatt zu machen.

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