Grenzen der Fähigkeiten

Wir haben die letzten Stunden damit verbracht, nach den Schiffen um die Osiris zu suchen. Hier zu schreiben, dass wir sie schließlich gefunden haben, wird den Ereignissen bis zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise gerecht. Völlig unverständlich blieb mir das Verhalten der Cylonen. Ich kann in Anbetracht des Leids, das sie über die Menschheit gebracht haben, nur äußerst schwer akzeptieren, dass einige unter ihnen uns helfen wollen. Ich habe das Verhalten der Crew der Iason beobachtet. Nicht wenige mögen den Cylonen Sato, sie beschreiben, was er gemeinsam mit ihnen durchlitten habe, als sie von Picon flohen. Er selbst bezeichnet den Angriff als „Unglück“, schlägt aber gleichzeitig vor, dass wir zu den Kolonien zurückkehren sollen, weil es dort nicht so schlimm sei. Wenn das nicht als ‘schlimm’ zu bezeichnen ist, frage ich mich, welcher Tatbestand dann für einen Cylonen als ‘schlimm’ eingeschätzt wird.

Als wir die Schiffe endlich fanden, waren sie von Cylonen umgeben oder eher: beschützt. Wie eine Mauer bauten sich die Raider zwischen uns und den Osiris-Schiffen auf. Inzwischen wissen wir, dass es zwei oder drei Fraktionen unter den Cylonen gibt. Sie haben jeweils eine andere Idee, wohin die Menschheit sich wenden soll. Das macht sie übrigens noch lange nicht zu Verbündeten oder Feinden. Alle Fraktionen haben uns Hilfe angeboten und sie haben uns ebenso angegriffen. Für mich ist das Fazit sehr einfach: einem Cylonen, egal was seine Beweggründe auch sein mögen, ist nicht zu trauen.

Nachdem wir die Schiffe wieder in unserer Flotte hatten, mussten sie unter allen Umständen mit FTL-Schlüsseln ausgestattet werden, andernfalls hätten Sie im Falle eines Notfallsprunges nicht gerettet werden können. Die Schlüssel befanden sich auf der Osiris selbst und so entschied das Kommando, dass wir sie von dort holen sollten. Dass das Boarding der Osiris am Ende eine Verzweiflungstat wurde, lässt sich schon daran erkennen, dass ich ebenfalls aufgefordert wurde, in einer zweiten Welle die Osiris zu boarden. Ein Team der Marines war bereits dort, hatte der geballten Kraft der Cylonen aber nicht mehr viel entgegen zu setzen. Ich nehme an, dass SSGT Drake voller Hoffnung war, als er sein Backup-Team, unter anderem bestehend aus einem Quorumsmitglied, dem Chaplain und einer besseren Schreibkraft sah. Unser Ziel erreichten wir trotzdem. Wir konnten die Verletzten ebenso wie die Schlüssel zum Raptor bekommen.

Ich weiß, es ging um Leben und Tod nicht nur derer, die an Bord der Osiris waren. Dennoch war ich für einen Moment stolz, als der CAG mir sagte, dass ich meine Sache gut gemacht habe. Ich nehme an, das liegt daran, dass ich nur nach vorne blicken kann. Ich möchte helfen, eine Heimat für uns zu finden. Jeder Blick zurück ist ein nicht endender Albtraum. Ich fühle mich entwurzelt. Jeder, der mir etwas bedeutet hat ist tot oder verschollen. Es bleibt dieses Schiff und die Zukunft ist allein das, was wir daraus machen können.

Die Angst, nicht handeln zu können geht tiefer als ich dachte. Mir wird das erst jetzt bewusst. Der JAG hatte mich darüber informiert, dass der Gefechtsstand für den Stab das CIC sei. Bei jedem Alarm fand ich mich dort ein und jedes Mal hatte ich den Eindruck, dass meine Hauptaufgabe darin besteht, entweder niemanden im Weg zu stehen oder Zivilisten daran zu hindern, irgendwelche Knöpfe zu drücken. Als wir uns auf der Suche nach der Osiris-Flotte waren, wurde MIDN Sterling abberufen; Sie hatte bis dahin das Dradis überwacht. Der TO befahl mir, statt des Midshipman das Dradis im Blick zu behalten. Das CIC wurde im Verlauf der Stunden an verschiedene Offiziere abgegeben, mein Befehl dabei nicht aufgehoben. Das Frustrierende war, dass ich bestenfalls ein paar Zahlen ablesen konnte. Schon beim Umschalten oder dem Abschätzen von Entfernungen geriet meine Arbeit mehr zu einem Raten, denn effizienter Zuarbeit. Wann immer der Steuermann unsere Position änderte, versuchte ich erneut, das Dradis so zu deuten, dass die Offiziere mit der Information irgendwas anfangen konnten. Als ich mich schließlich abmelden durfte fühlte ich mich, als hätte ich selbst den Angriff geflogen. Ich werde in jedem Fall den Antrag stellen, eine Schulung an den Stationen des CIC zu erhalten.

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